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Sulu Cacik und Künefe: Unbekannte Leckerbissen?

21.07.2015

Türkische Gerichte? Döner, Yufka, Pide. Mehr werden die meisten wohl nicht aufzählen können. Dass die türkische Küche jedoch viel weiter reicht, erklärt ein türkischer Gastronom aus Stuttgart.

Cemal Akaygün kommt ursprünglich aus Südostanatolien und ist im Alter von 13 Jahren nach Deutschland gezogen. Nach einer Ausbildung zum Bäcker und Konditor leitete er zusammen mit seinem Bruder in München drei türkische Restaurants. 1992 eröffnete er dann das „Taverna Yol", ein Eckrestaurant in Stuttgart-West. Es sei zu Beginn nicht ganz einfach gewesen, die Deutschen an die türkische Küche zu gewöhnen, sagt der 47-Jährige: „Heute ist es zwar ganz anders, aber damals vor 23 Jahren war es schon so: ‚Ein Türke an der Ecke. Was ist das überhaupt?‘"

Doch der „Türke an der Ecke" hat viel zu bieten: Zur Vorspeise empfiehlt sich Sulu Cacik, eine Gurkensuppe. Sie besteht aus mit Wasser verdünntem Joghurt, in den klein geschnittene Gurken hinein gerührt werden. Anschließend wird sie mit Minze, Dill und Salz gewürzt. Die Suppe wird kalt gegessen und in der Türkei häufig an heißen Tagen serviert. „Das Gericht ist für den Sommer gedacht, weil es sehr erfrischend ist", erklärt der Gastronom.

Als Hauptgericht wird meist Lamm- oder Kalbfleisch mit Gemüse oder Reis serviert. „Vegetarische Gerichte sind zwar auch gefragt, aber Fleisch ist immer noch auf Platz Eins", sagt Akaygün. Was hierbei nicht fehlen darf, ist der typisch türkische Knoblauchjoghurt. Weil er sehr neutral schmeckt und deshalb zu vielem passt, „hat er alle anderen Soßen vertrieben."

Künefe – das zuckersüße Dessert

Als süßer Abschluss reicht man Künefe. Diese Spezialität wird aus Fadennudeln hergestellt, also Teig, der in ganz dünne Fäden gepresst wird. Man belegt einen Teil des Teigs mit ungesalzenem Käse, zum Beispiel mit Mozzarella. Anschließend legt man ein weiteres Stück Teig darauf und presst die Seiten aneinander. Die Teigware wird danach auf offenem Feuer von beiden Seiten erhitzt, damit die Käsefüllung schmilzt. Schließlich wird das Gericht mit Sirup überzogen und warm serviert.

Der Sirup wird in Deutschland nicht so süß zubereitet, wie es in der Türkei üblich ist. Der Gastronom erklärt, dass man die Gerichte teilweise an die europäische Esskultur anpassen muss, damit sie bei den Gästen gut ankommen. So wird beispielsweise auch das Fleisch mittlerweile nicht mehr so stark gewürzt, wie es in der Türkei Tradition gewesen ist. „Man hatte bestimmte Gerichte, die wurden tagelang in Gewürze eingelegt und man hat danach nur noch Gewürze geschmeckt und eigentlich nicht das, was da auf dem Tisch war." Die Ursache für diese Änderung sind zum einen zeitliche Gründe, zum anderen vertragen viele Menschen die breite Zusammensetzung von Gewürzen nicht mehr.

Türkischer Wein – eine Überraschung

Wie die Deutschen heutzutage die türkische Küche aufnehmen, gefällt dem Restaurantbetreiber sehr gut. Da die Türkei ein beliebtes Urlaubsziel ist, ist sie mittlerweile den meisten doch ziemlich bekannt. Was sich allerdings noch verbessern könnte, ist die Einstellung der Deutschen zum türkischen Wein. Seiner Meinung nach ist dieser nämlich fast genauso gut wie der französische. Auch die Gäste scheinen nach der Verkostung zufrieden damit zu sein: „Jeder, der den Wein trinkt, sieht dann noch einmal auf das Etikett und schaut, ob es auch wirklich ein türkischer Wein ist, den er da trinkt, weil er so gut schmeckt."

Obwohl es zumindest in Stuttgart zahlreiche türkische Restaurants gibt, geht die Mehrheit doch lieber schnell zur Dönerbude nebenan. Akaygün erklärt sich diese Entwicklung mit dem Preis der Gerichte: „Viele dachten sich, ich bin ja mit drei Euro satt geworden, wieso sollte ich 15 oder 16 Euro bezahlen?" Jedoch genau das ist der Punkt: Vielleicht sollte man lieber einmal weniger essen gehen und dafür etwas mehr Geld investieren. Denn nur dann kann man seinen kulinarischen Horizont beim Genuss von Sulu Cacik, Sigara Böreği und Künefe erweitern.

Türkische Leckereien

Wie werden die türkischen Gerichte zubereitet? Und wie sehen sie am Ende aus? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt es.

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Über den Autor

Sissy Genth

Crossmedia-Redaktion
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015