Internationale Workcamps

Teamarbeit für den guten Zweck – oder doch nur Abenteuer?

28.10.2014

Die Teams restaurieren Waldwege in Italien, retten Schildkröten in Mexiko oder bauen Wanderhütten im Saarland – Workcamps gibt es in einer bunten Vielfalt. Mindestens genauso vielfältig sind auch die Teilnehmer, denn sie kommen aus aller Welt.

„Das hungrige Gepardenbaby sieht Dich mit erwartungsvollen Augen an. Du gibst ihm die Flasche und schaust in die Ferne." So beginnt eine Programmbeschreibung von TravelWorks, einem kommerziellen Anbieter von Freiwilligenarbeiten. Schon beim Lesen solcher Werbetexte kommt Abenteuerfeeling auf. Aber darum geht es doch eigentlich nicht, wenn man sich dazu entscheidet, aus freien Stücken an einem sozialen Projekt mitzuwirken – oder doch? Fakt ist: Freiwilligendienste sind beliebt. Schaut man sich lediglich die Non-Profit-Organisationen an, nahmen laut des Arbeitskreises „Lernen und Helfen in Übersee" e.V. 2013 mehr als 1500 Personen an internationalen Workcamps teil. Bei einem Workcamp arbeiten die Freiwilligen zwischen zwei und drei Wochen an einem gemeinnützigen Projekt, beispielsweise in den Bereichen Umweltschutz, Renovierung oder Soziales. Die Gruppe besteht in der Regel aus etwa 15 jungen Menschen verschiedener Nationen, die zwischen 18 und 30 Jahre alt sind. Im Mittelpunkt stehen die Arbeit sowie das Zusammenleben in einer internationalen Gruppe.

Im Zeichen der Nachhaltigkeit

Ziel dieser Multikulti-Konstellation ist der interkulturelle Austausch der Freiwilligen – untereinander und mit den Menschen vor Ort. Durch die Vermischung von Kulturen sollen Vorurteile abgebaut und Toleranz gefördert werden. Gleichzeitig soll ein nachhaltiger Einfluss auf den Projektort entstehen. Ob dieser auf den ersten Blick sichtbar ist, hängt von der Arbeitsaufgabe des Camps ab. „Die Arbeit der Jugendlichen muss auch über den Begegnungsaspekt hinaus einen Sinn haben. Oftmals renovieren oder bauen wir beispielsweise Spielplätze, wodurch eindeutig etwas für die lokale Bevölkerung zurückbleibt", sagt Lukas Wurtinger, Projektreferent des Stuttgarter Vereins Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten e.V. (IBG). Rund 45 Workcamps organisiert das fünfköpfige IBG-Team jährlich in Deutschland und vermittelt etwa 300 Jugendliche an Workcamps von Partnerorganisationen im Ausland. Sie alle sind über die ALLIANCE of European Voluntary Service Organisations eng miteinander verbunden, einem internationalen Netzwerk gemeinnütziger Anbieter von Freiwilligendiensten. Als einen thematischen Schwerpunkt haben die Mitgliedsorganisationen Nachhaltigkeit offiziell definiert. Dabei geht es vor allem darum, wie man dieses Anliegen in die Tat umsetzen kann. „Wir schauen zum Beispiel nach Unterkünften, die sich in der Nähe des Workcamps befinden, damit die Freiwilligen nicht jeden Tag mit einem Auto zur Arbeit fahren müssen, sondern laufen können. Oft werden auch Fahrräder gestellt", sagt Nanine Roth, ebenfalls Projektreferentin der IBG.

Yes, we can

Um die Zusammenarbeit erfolgreich umzusetzen, bedarf es eines guten Teams. Etwa 30 Stunden pro Woche arbeiten die Freiwilligen gemeinsam am Projekt. Eine gute Portion Motivation ist somit Voraussetzung. Neue Leute und Länder kennenlernen, Fremdsprachen verbessern, gemeinsam Spaß haben, aber eben auf sinnvolle und fleißige Weise – genau darum geht es. „Die allerwenigsten kommen ausschließlich zum Spaß oder weil sie günstig verreisen wollen. Das sind wirklich Ausnahmen. Andererseits habe ich auch noch niemanden getroffen, der nur etwas Gutes für die Menschheit tun wollte", sagt Franka Bechstein, Workcampleiterin der IBG. Bereits durch den Begriff „workcamp" wird die Mischung aus Arbeit und Zusammenleben in einer Gruppe für die meisten deutlich. Wichtige Kriterien bei der Team-Zusammensetzung seien laut IBG die Teilnehmeranzahl sowie ein ausgewogenes Geschlechter- und Nationalitätenverhältnis. Zusätzlich müssen die Freiwilligen bei der Anmeldung ihre Motivation darlegen. „Sollte tatsächlich aus einer Motivationsbeschreibung hervorgehen, dass jemand falsche Vorstellungen von einem Workcamp zu haben scheint, fragen wir natürlich gezielt nach. Die meisten Teilnehmer wissen jedoch sehr genau, worauf sie sich einlassen und suchen sich das Projekt nach den eigenen Interessen aus", sagt Lukas Wurtinger. Viele der Freiwilligen haben bereits Workcamp-Erfahrungen oder haben sich gar zu Campleitern umschulen lassen. Erstanmelder suchen vorab oft eine persönliche Beratung per Telefon oder Email. Zusätzlich bietet die IBG freiwillige Vor- und Nachbereitungstage für ihre Teilnehmer an. Wer also nur Lust auf Spaß und Abenteuer hat, ist mit einer Gruppenreise nach Lloret de Mar wohl besser bedient. Alle anderen, die Interesse an internationaler Zusammenarbeit haben, finden hier weitere Informationen zum Thema Workcamps.

Tipp zum Reinklicken

Einen ersten Vorgeschmack bietet dieses Video.

Workcamp im Saarland

Interview mit einer Workcamp-Teilnehmerin (Bildrechte: Franka Bechstein)

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Über den Autor

sp069

Elektronische Medien Master Unternehmenskommunikation
Eingeschrieben seit: WS2014/2015