Interkulturelles Schauspiel in Stuttgart

Theater verbindet Menschen und Kulturen

09.06.2015

Gemeinsam spielen, andere Kulturen kennenlernen, neue Leute treffen: All diese Möglichkeiten bietet das Theaterensemble des Forums der Kulturen Stuttgart e.V. Doch wie kann das gelingen? Und wie sehen die Geschichten der Menschen aus, die bei solchen Projekten mitmachen?

Verschiedene Kulturen treffen bei uns in Deutschland überall aufeinander – sei es im Supermarkt, in der Schule oder auch im Sportverein. Dabei ist es ganz wichtig, dass die verschiedenen Kulturen nicht nebeneinander her, sondern miteinander leben – dass ein Austausch stattfindet. Um dies zu fördern, gibt es die unterschiedlichsten Projekte. Eines dieser Projekte ist das interkulturelle Theaterensemble, das vom Forum der Kulturen Stuttgart ins Leben gerufen wurde. Was ist das für ein Projekt? Und warum hat man sich zum Austausch der Kulturen ausgerechnet die Theaterbühne ausgesucht?

Das Theaterprojekt

Immer im September startet das Theaterensemble ein neues Theaterprojekt. Das Besondere ist, dass es kein vorgeschriebenes Drehbuch gibt. Boglárka Raiser, die Ansprechpartnerin des Forums der Kulturen berichtet, dass das Oberthema im letzten September Rausch und Ekstase hieß. Was dabei herauskommen sollte, lag in den Händen der Teilnehmern. Dabei wurde zunächst zu dem Thema recherchiert und diskutiert. Später wurden die gesammelten Ideen mit einer Schriftstellerin besprochen. Sie hat hieraus eine Collage entwickelt, also eine Zusammensetzung einzelner Szenen. Diese wurde im Februar erstmals öffentlich aufgeführt. Aktuell befindet sich das Theaterensemble in der Probenphase des Theaterstücks, welches im Juli endgültig fertig gestellt sein soll. Derzeit arbeiten an dieser Produktion 17 Personen mit. Doch was sind das für Menschen? Sind alle gelernte Schauspieler? Boglárka Raiser erklärt: „Es sind keine schauspielerischen Vorkenntnisse nötig. Jeder ist willkommen. Wir haben Teilnehmer aller Altersstufen und aus vielen verschiedenen Ländern." Die Teilnehmer haben unterschiedliche Deutschkenntnisse und ihre Rollen werden direkt daran angepasst. Frau Raiser berichtet weiter: „Es sind Menschen dabei, die in ihren Heimatländern Theater gespielt haben und das hier nun wieder tun."

Eine von ihnen ist Angels Capell

Angels Capell ist 42 Jahre alt und wurde in Barcelona geboren. Die Verbindung zum Theater war bereits in ihrem Heimatland vorhanden. Sie erzählt: „Ich bin in meiner Heimat Schauspielerin und Theaterpädagogin gewesen. Nach Deutschland hat es mich der Liebe wegen gezogen." Angels Mann ist Ingenieur und als er 2010 beruflich nach Deutschland gekommen ist, ist sie mitgegangen. Ihr Deutsch ist noch nicht das Beste, aber andererseits ist es für jemanden, der erst seit fünf Jahren hier ist, schon sehr gut. Und auch das Theater hilft in Bezug auf die Sprache. Sie sagt: „Ich wollte auch hier in Deutschland Theater spielen, aber für ein richtiges Theater ist mein Deutsch noch zu schlecht." Deshalb ist sie froh, hier bei einem Laientheater zu sein. „Es ist perfekt, weil ich hier spielen kann, aber es nicht so schlimm ist, wenn ich etwas falsch ausspreche". Für das Schauspiel hat sie also wohl die ideale Lösung gefunden. Doch es gibt noch ein Problem. „In Spanien hab ich auch als Theaterpädagogin gearbeitet. Dort kannst du nach bereits sechs Monaten direkt anfangen zu arbeiten. Hier in Deutschland muss ich eine Ausbildung dafür machen", erzählt Angels – dank der Kontakte des Forums der Kulturen konnte sie diese jetzt auch beginnen.

Angels Capell kann hier nur beispielhaft für eine besondere Person des Theaterensembles stehen. Es gibt noch weitere spannende Geschichten, die dafür sorgen, dass das gemeinsame Theaterspielen nicht nur ein Austausch von Kulturen ist. Vor allem ist es ein Zusammentreffen interessanter Menschen. Durch diese Vielfalt wird ein Theaterstück geschaffen - eines, bei dem sich jeder mit seinen eigenen speziellen Fähigkeiten einbringen kann.

Theater verbindet Menschen und Kulturen

Beim Theater des Forum für Kulturen Stuttgart e.V. treffen sich ganz verschiedene Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie alle eint die Leidenschaft für die Bühne.

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Über die Autoren

Cristin Gehrlein

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2013/2014

Matthias Nagel

Medienwirtschaft (Bachelor)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2012/2013