Weit hinab

Tief Luft holen und abtauchen

22.02.2017

Ein langer Atemzug, dann gleiten Körper und Geist unter die Wasseroberfläche. Keine Geräusche sind zu hören und ein Gefühl von Schwerelosigkeit entsteht. Dafür riskieren Apnoetaucher ihr Leben, denn wenn der Atemreflex einsetzt, bleibt nicht viel Zeit.

Apnoetaucher tauchen durch die Wasseroberfläche in Ruhe und Zeitlosigkeit ein | Bild: Fenja Letsche

Eine Leidenschaft, die Risiken mit sich bringt: Apnoetauchen ist in den letzten Jahren zu einem beliebten und bekannten Sport geworden, sowohl unter professionellen Athleten als auch unter Hobby-Sportlern. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Atemstillstand. Sauerstoffflaschen gibt es keine – man taucht ausschließlich mit der eigenen Atemluft. Professionelle Leistungssportler haben beim Apnoetauchen einen Ruhepuls von sechs bis sieben Herzschlägen pro Minute, während ein gesunder Erwachsener einen Ruhepuls von sechzig bis achtzig Schlägen besitzt. Die Organe und das Gehirn werden trotz angehaltener Luft weiterhin mit genügend verbliebenem Sauerstoff versorgt, da Herz und Lunge vergrößert sind. Somit wird der „breath-hold-breaking-point" hinausgezögert. An diesem Punkt kann ein Mensch den Atemreflex nicht mehr unterdrücken. Taucher können den Reiz, Luft holen zu wollen, länger tolerieren und somit längere Zeit unter Wasser bleiben. Währenddessen steigt der Kohlendioxydgehalt an. Sowohl der Sauerstoff- als auch der Kohlendioxydwert werden vom Körper wahrgenommen. Ab einem bestimmten Wert entsteht der Atemreiz.

Disziplinen

Beim Apnoetauchen wird in zwei Bereiche unterschieden: Pool-Disziplinen und Tieftauchdisziplinen. Zu den Pool-Disziplinen gehört das Zeittauchen, auch „Static" genannt. Dabei wird die längste Zeit gemessen, die ein Taucher ohne Luft zu holen unter Wasser bleiben kann. Außerdem gibt es Streckentauchen, auch „Dynamic" genannt. Mit nur einem Atemzug soll hierbei eine möglichst große Strecke zurückgelegt werden – mit oder ohne Flossen. Apnoetauchen wurde über das Tieftauchen sehr bekannt. Viele Videos und Berichte darüber gingen viral – über Rekordversuche von beispielsweise Herbert Nitsch oder auch der Todesfall von Audrey Mestre-Ferreras 2002, die Probleme beim Auftauchen bekam. Die Wettbewerbe dieser Disziplin finden im Meer statt. Dort treten die Sportler zum einen in der Kategorie mit konstantem Gewicht an. Taucher müssen aus eigener Kraft, ohne Gewichte die den Abstieg erleichtern, in die Tiefe tauchen – und auch wieder hoch kommen. Alternativ gibt es noch die Klasse mit variablem Gewicht. Sie zählt allerdings nicht zu den Wettkampfdisziplinen. Für den Abstieg dürfen Taucher ein Maximalgewicht von 35 Kilogramm verwenden. Angetreten wird auch in der Kategorie „Libre". Sie funktioniert ähnlich wie das Tauchen mit konstantem Gewicht, jedoch dürfen Sportler zum Auf- und Abtauchen ein Seil benutzen. Die riskanteste Klasse heißt „No Limit". Hier gibt es keine Grenzen. Die Taucher dürfen sich das Gewicht, das den Abstieg vereinfacht und sie in die Tiefe zieht, selbst wählen. Ein Hebesack, der die Sportler zur Wasseroberfläche lotst, erleichtert den Aufstieg. Auch die Tiefe wird frei gewählt. Es gibt hierbei keine Wettbewerbe, aber Rekordlisten (siehe Infografik). Das große Rätsel der Medizin ist bis heute, wie die Taucher der enormen Druckbelastung in über 100 Metern Tiefe standhalten, wird die Lunge doch auf Faustgröße zusammengedrückt. Damit das Trommelfell nicht platzt, erlernen die Sportler bestimmte Ausgleichs- und Atemtechniken. Trotz aller Risiken hat „No Limit" das Apnoetauchen bekannt gemacht und gehört zu den spektakulärsten Sportarten.

Wer kann am längsten? – Weltrekorde beim Apnoetauchen | Quellen: www.planet-wissen.de, www.free-diving.de, www.adrenalin-deals.com, www.netzathleten.de | Grafik: Fenja Letsche via Piktochart

Training

Dagmar Andres-Brümmer vom Tauchclub Uni Stuttgart Manatees e. V. ist sowohl Geräte- als auch Apnoetauchlehrerin. Einmal die Woche trainiert sie mit ihrem Kurs Zeit- und Streckentauchen. Sie erklärt, dass das Training aus verschiedenen Bestandteilen besteht. Beim Techniktraining geht es vor allem um den Bewegungsablauf und Schwimmtechniken. Doch auch Entspannung ist wichtig. Diese erreicht man durch Yoga und das Üben von Atemtechniken. Parallel dazu steht Ausdauersport und Krafttraining auf dem Programm.

Jeder kann Apnoetaucher werden – sofern er gesund ist. „Wirklich drin ist man in dem Moment, in dem man den Kopf unter Wasser taucht", bekräftigt die Expertin. Es komme nur darauf an, wie intensiv man weitermachen wolle. Es helfe, entspannt zu sein und sich selbst zu kennen. Man würde lernen, den Körper und den Geist zu kontrollieren.

Der Tauchclub Uni Stuttgart Manatees e. V. gibt einen Einblick in die Welt des Apnoetauchens | Video: Fenja Letsche

Der Gefahren sollte man sich jedoch immer bewusst sein, weiß auch die Expertin. Denn das Wichtigste sei, nicht alleine zu tauchen. Wer zu lange die Luft anhält, kann ohnmächtig werden und ertrinken. Sind Vorkehrungen getroffen, ist Apnoetauchen für die Sportler Leidenschaft und Meditation und wie Frau Andres-Brümmer erklärt: Die Freiheit sich von oben nach unten, frei im Raum bewegen zu können.

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Über den Autor

Fenja Letsche

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016