Einsatz für „Päckleskinder“

Tierische Hilfe für geplagte Kinderseelen

28.06.2017

Kinder, die traumatische Erlebnisse hinter sich haben oder an Entwicklungsstörungen leiden, brauchen nicht immer eine Therapie. Manchmal können sie mithilfe von Teamarbeit und tierischen Freunden ihre Probleme bewältigen. Dies beweisen Elke und Karl Wössner sowie Conny Schäfer mit ihrem Projekt: Dem Kinderbauernhof am Brennlesberg.

Die Arbeit auf dem Bauernhof bringt nicht nur den Kindern, sondern auch den Tieren große Freude. | Foto: Franziska Freudenberg

Für viele Menschen ist das Leben selbst in jungen Jahren schon alles andere als unbeschwert. Manche haben mit häuslichen Problemen zu kämpfen, andere entwickeln sich einfach nicht so wie „normale" Kinder. Sie müssen ihr Päckchen tragen – motorische und sprachliche Probleme sind nur zwei von vielen Beispielen. Es fällt ihnen schwer, neue Freunde zu finden, wodurch ihnen die nötigen sozialen Kontakte fehlen, um den Umgang mit anderen Gleichaltrigen zu lernen. All diese Sorgen lasten auf den noch so jungen Seelen der Kinder.

Für diese „Päckleskinder” gibt es einen Ort, an dem sie ihre Seelen baumeln lassen und ihre Sorgen und Ängste vergessen können – den Kinderbauernhof am Brennlesberg in Gomaringen bei Tübingen. Nachdem das Projekt im September 2012 startete, wurde der Verein Kinderbauernhof am Brennlesberg e.V. 2014 gegründet und finanziert sich seither über Spenden und Stiftungen. Zurzeit beherbergt er neben Ziegen, Schweinen, Hühnern und Hasen auch Gänse, Enten, Pferde und einen Hund.

Eindrücke vom Kinderbauernhof am Brennlesberg

Das Arbeiten auf dem Kinderbauernhof mit all seinen Facetten – vom kleinen Zicklein bis zur brütenden Gans. |Fotos: Franziska Freudenberg

Täglich kommen verschiedenste Gruppen von Kindern, um das Leben auf einem Bauernhof kennen zu lernen. Sie alle werden dort gleich behandelt – egal ob es Kinder sind, die aus sozial schwachen Familien kommen, unter Entwicklungsstörungen leiden oder traumatische Erlebnisse hinter sich haben. Die Hälfte der Hof-Zeit verbringen sie mit Pflichtaufgaben wie dem Füttern und Ausmisten, den Rest der Zeit haben sie zur freien Verfügung. Bei ihren Aufgaben müssen sie im Team arbeiten, was das soziale Miteinander und ihr Selbstbewusstsein stärkt.

Für Conny Schäfer ist es das Schönste, zu sehen, wie sich die Kinder durch die Arbeit mit den Tieren weiterentwickeln.

Conny Schäfer im Interview. Conny berichtet über das Phänomen, dass Kinder mit Entwicklungsstörungen, allein durch die Arbeit auf dem Bauernhof, ihre Probleme besser bewältigen können. |Video: Ina Andrea Busch, Franziska Freudenberg, Thomas Rausch

Therapie für Kinder ohne therapeutische Ausbildung

Die Betreuer auf dem Bauernhof haben keine therapeutische Ausbildung. Und dennoch wirkt der Besuch für viele Kinder wie eine Therapie. Eltern beschreiben, dass ihre Kinder nach ein paar Besuchen ausgeglichener und entspannter sind und sich darüber hinaus besser in sozialen Gruppen zurechtfinden. „Der Kontakt mit Tieren ist speziell für traumatisierte Kinder und Kinder mit Entwicklungsstörungen hilfreich, um Stabilisierungstechniken zu erlernen, Bindungen aufzubauen, soziale Kompetenzen zu verbessern und ein höheres Selbstwertgefühl zu erlangen", so die österreichische Psychologin Prof. Dr. Barbara Juen. Die renommierte Spezialistin im Feld der Krisenintervention bei Großschadensereignissen meint aber, dass im Umgang mit den „Päckleskindern" bestimmte Kriterien beachtet werden müssen.

Allem voran muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem die Kinder sich wohl und sicher fühlen. Hierfür ist es notwendig, dass den Kindern eine feste Bezugsperson zur Seite steht, an die sie sich bei Bedarf jederzeit wenden können. Besonders geeignet ist ein Umfeld von Gleichaltrigen, in dem die Kinder gemeinsam in der Gruppe, aber auch einzeln an Entscheidungen mitwirken können. Auch Regeln und Sanktionen müssen in Zusammenarbeit mit den Kindern ausgearbeitet und festgelegt werden. So lernen sie, Verantwortung für sich und die gesamte Gruppe zu übernehmen.

Das schafft auch der Kinderbauernhof am Brennlesberg. Durch das Umfeld und die Tiere wird für die „Päckleskinder" ein Platz geschaffen, an dem sie sich frei entwickeln können. „In den Kindern müssen positive Gefühle geweckt werden. Nur so können sie optimistisch und angstfrei in die Zukunft schauen."

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Über die Autoren

Thomas Rausch

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 14/15

Ina Andrea Busch

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 14/15

Franziska Freudenberg

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/15