Integrationshilfe

Tischmanieren und Flädlesuppe für die Integration

21.07.2015

Die Knigge-Expertin Gudrun Nopper bringt Flüchtlingskindern aus Stuttgart Tischsitten und Benimmregeln bei. Wie wichtig ist das Beherrschen dieser Regeln für eine gelungene Integration? Elisabeth Sonntag von der „Stiphtung“ Christoph Sonntag erklärt warum die eigene Kultur dabei nicht verdrängt werden muss.

Knigge-Kurs für Flüchtlingskinder

Knigge Expertin Gudrun Nopper zeigt Flüchtlingskindern aus Stuttgart Tischsitten und Benimmregeln. Die Stiphtung des Kabarettisten Christoph Sonntag hat dieses Projekt ermöglicht.

Was bedeutet Integration aus Ihrer Sicht und was braucht es alles zu einer gelungenen Integration?

Elisabeth Sonntag: Integration bedeutet für mich, dass Menschen aus einem fremden Kulturkreis den Wunsch und gleichzeitig die Chance haben, sich in eine neue Kultur einzufinden und in dieser lernen zu leben. Dabei wird der kulturelle Hintergrund häufig sehr unterschätzt. Die erlernte Kultur lässt sich nicht nur in traditionellen Speisen oder Benimmregeln finden. Sie prägt die Erziehung, Normen und Werte sowie den gesamten Lebensstil und dessen Ideale. Eine gelungene Integration bedeutet nicht, dass die eigene Kultur verdrängt oder gar vergessen werden soll. Viel mehr bedeutet dies, dass sie offen für neue kulturelle Gegebenheiten sind und diese mit ihrer eigenen Kultur vereinen können.

Was ist für Sie ein absolutes Muss, wenn ich mich in einer anderen Kultur integrieren möchte?

Das einzige Muss ist das Erlernen der neuen Sprache. Sprachhindernisse sind für mich der häufigste Grund für eine misslungene Integration. Denn nur wenn Menschen sich sicher in einer gemeinsamen Sprache verständigen können, können sie in interkulturelle Kommunikation treten.

Was bedeutet das Beherrschen der Knigge-Regeln für die Integration?

Sonntag: Das Beherrschen der Knigge spielt meines Erachtens nach in beruflicher Hinsicht eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund lohnt es sich wenn Kinder diese Sitten schon früh erlernen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wo das Beherrschen der Knigge-Regeln noch wichtig wäre und wann es ein Nachteil wäre dies nicht zu beherrschen?

Sonntag: Wenn während eines Geschäftsessens eine Person anfängt mit den Fingern zu essen, würde diese Situation zu einer großen Irritation der Einheimischen führen. Aus diesem Grund sollte der „kulturell-Fremde" die deutschen Sitten beherrschen. Wenn er bei diesem Anlass erzählt, dass in seiner Kultur eigentlich mit den Händen gegessen wird, werden sicherlich alle Teilnehmer sehr interessiert sein und viele Fragen dazu haben. Wenn er jedoch mit den Händen isst, würde dies als unsympathisch und ignorant gelten, was vor allem im Kindesalter zu Hänseleien und Ausgrenzungen führen könnte.

Solche Projekte gehen davon aus, dass der Flüchtling etwas nicht kann und zuerst lernen muss. Sollte es nicht auch Projekte geben, die sich an den sozialen und kulturellen Ressourcen der Flüchtlinge orientieren?

Sonntag: Diese Fragestellung zeigt deutlich unseren generellen Umgang mit Ausländern. Warum sollte etwas defizitär sein, nur weil es in der fremden Kultur nicht verankert ist und es dennoch gilt dieses zu erlernen? Wir Deutschen, salopp gesagt, haben ständig Angst nicht als ausländerfreundlich zu gelten. Wenn wir jedoch in einer fremden Kultur, in der es üblich ist, mit den Händen zu essen anfangen nach Messer und Gabel zu fragen, fangen diese in der Regel an laut zu lachen über unseren Wunsch! Keiner der Anwesenden würde sich überlegen, ob er uns damit verletzen würde! Dennoch stimme ich zu, dass selbst die internationale Küche sehr an unsere deutschen Standards angepasst ist. Wenn wir in Stuttgart ein afrikanisches Restaurant besuchen, bekommen wir sofort Messer und Gabel gebracht. Dabei wäre dies der richtige Moment, dass wir lernen wie man mit den Händen isst! Gleichsam verhält es sich mit Ausländern hier in Deutschland.

Was raten Sie in solchen Situationen?

Wenn wir etwas lockerer mit der Gesamtsituation umgehen würden, nicht entsetzt gegenseitig Blicke austauschen, sondern einfach gelassen reagieren würden und dann freundlich erklären, dass wir Messer und Gabel benutzen, könnte man sicher viele unangenehme Situationen vermeiden. Solche Situationen kommen meines Erachtens nur durch Integration zu Stande. Erst wenn eine deutsche Familie von einer afrikanischen Familie zum Abendessen eingeladen wird, wird sie sehen und lernen wie schwierig es ist mit den Händen zu essen. Und anders herum genauso! Insofern kann behauptet werden, dass aufgezwungene Integration niemals denselben Effekt hat, wie selbst gewonnene und gewollte Integration. Und dieser Umstand hängt immer sehr stark von den verschiedenen Persönlichkeiten und ihren Wünschen ab.

Flüchtlingskinder lernen Tischsitten und Benimmregeln

Quelle: Stephanie Schlagenhauf

Weiterführende Links

Die STIPHTUNG CHRISTOPH SONNTAG wurde 2007 von Kabarettist Christoph Sonntag ins Leben gerufen. Viele soziale und ökologische Projekte wurden seitdem verwirklicht.

http://www.stiphtung.tv

Gudrun Nopper ist selbstständig zertifizierte Knigge-Trainerin und gibt Kurse für Kinder, Jugendliche und Berufsstarter.

http://www.knigge-fuer-kids.de

Connys! Was seit Jahren für kulinarischen Hochgenuss und Qualität im Catering- und Eventbereich steht, hat seit März 2012 auch eine feste Adresse: Weitmanns Waldhaus.

http://www.weitmanns.de

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Über den Autor

Stephanie Schlagenhauf

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/15