Tötung männlicher Küken

Unser täglich Küken

24.05.2016

Getötet und weggeworfen – ein Schicksal, das bei der Geflügelzucht jährlich mehrere Millionen männliche Küken erleiden. Seit rund 40 Jahren wird das Verfahren der Massentötung praktiziert. Das könnte sich in Zukunft dank vorhandener Alternativen ändern.

Das cremefarbene Ei - aus der Aufzucht von Huhn und Hahn |Foto: Vivian Kuhn

Bereits in der Nachkriegszeit hat sich die parallele Züchtung von Hühnern und Hähnen als nicht besonders rentabel erwiesen, da die Hühner zu wenige Eier legten und die Hähne nicht schnell genug Fleisch ansetzten. Daher wurde die zweigleisige Produktion eingeführt – zum einen die Zucht von Hennen für die Eierproduktion, zum anderen die Hähnchenzucht für die Fleischindustrie. Für die männlichen Küken gab es in der Eierproduktion keine Verwendung mehr. Daraufhin entschied sich die Industrie für deren Tötung, unter anderem durch Gas. Das Verfahren wird bis heute praktiziert, wobei die getöteten Tiere inzwischen zum Teil als Tierfutter Verwendung finden.

Tierschutzgesetz schafft keine Abhilfe

Es stellt sich die Frage, warum das so passiert. Laut des Tierschutzgesetzes dürfen Wirbeltiere nur dann getötet werden, wenn es dafür einen vernünftigen Grund gibt. Dennoch sind den Gesetzgebern die Hände gebunden, denn da wäre das Argument, dass die toten Küken als Tierfutter verwendet werden. Tierschützer argumentieren dennoch damit, dass die Tiere nicht primär aufgrund dieser Verwendung getötet werden, sondern als Abfallprodukte aus der Eierindustrie hervorgehen. Die Tierschutzorganisation PETA versucht unter Beachtung des Gesetzes immer wieder Strafanzeigen gegen Brütereien zu stellen, erst zuletzt im Februar dieses Jahres gegen eine Kükenbrüterei in Münster. Die Anzeige wurde vom Landesgericht Münster allerdings fallen gelassen. Laut Edmund Haferbeck von PETA Stuttgart war diese Anzeige dennoch ein Erfolg, da sich das Thema dadurch medial weit verbreitet hat.

Gockelprojekt soll Zeichen setzen

Christoph Hönig, Geschäftsführer des Hönighofs in Mühlingen im Landkreis Konstanz, wollte der Tötung endgültig ein Ende setzten. Seit diesem Jahr betreibt er auf seinem Hof eine reine Mast- und Legelinie. In seinem „Gockelprojekt" zieht er sowohl Hähne als auch Hennen gemeinsam in einem Stall auf. „Ziel ist es, dass auf jeden Hahn zehn Hennen folgen", schildert Hönig sein Projekt. Für die neue Aufzucht hat er die asiatische Hühnerrasse mit dem Namen „Sandy" gewählt, denn diese legt Eier mit einer cremefarbenen Schale. „So kann der Kunde sofort an der Farbe erkennen, dass es ein Ei ist, bei dem der Hahn auch leben durfte", begründet Hönig seine Auswahl des Huhns. „Verbraucher müssen jedoch bereit sein, pro Ei ein paar Cent mehr zu zahlen." Dass ein Ei durch diese aufwendige Zucht mit erhöhten Fütterungskosten teurer wird, erklärt sich von selbst. Das sei laut Hönig allerdings eines der größten zu überbrückenden Hürden.

Warum Christoph Hönig sich für diese Methode entschieden hat und welches Ziel er dabei verfolgt, erfahrt ihr im Interview.

Alternative „Geschlechtsbestimmung"

Tierschutzorganisationen wie PETA setzen hingegen ihre Hoffnung seit 15 Jahren auf die Geschlechtsbestimmung im Ei. Diese ermöglicht die Bestimmung des Geschlechts in den ersten drei Tagen, nachdem das Ei gelegt und bebrütet wurde. So könnten die Eier mit männlichem Geschlecht sofort aussortiert werden und die Tötung auf dem Fließband wäre nicht nötig. Dennoch kann diese Alternative bis heute nicht in die Praxis umgesetzt werden. „Die Arbeit mit der In-Ovo-Geschlechtsbestimmung kann bei der Fließbandarbeit aus Kostengründen nicht erfolgreich eingesetzt werden", so Edmund Haferbeck. Derzeit wird eifrig an einem in der Praxis einsetzbaren Prototypen gearbeitet. Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, unterstützt die Universität Leipzig bei ihren Forschungen. Dieser will das Verfahren bis 2017 einführen, laut Haferbeck sei das aber unrealistisch: „Ich sehe die Methode in Brütereien eher im Jahr 2020".

Auch der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) setzt auf die Geschlechtsbestimmung in der Zukunft. Laut des Verbands sei die Methode aber nicht ausgereift, da durch die große Öffnung im Ei vermehrt Keime eintreten können. Allerdings beteiligt sich der ZDG derzeit ebenfalls an einem beantragten Forschungsprojekt zur Entwicklung eines in der Industrie einsetzbaren Automatisierungsprozess.

Fakt ist: Beide Methoden würden die vorzeitige Tötung der männlichen Küken verhindern. Ob sich das Gockelprojekt sowie die Geschlechtsbestimmung in Zukunft durchsetzen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

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Über den Autor

Vivian Kuhn

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/2016