Verkehr in Stuttgart

Unzertrennlich: Stuttgart und die Staus

07.01.2015

„Autounfreundlichste Stadt“ Deutschlands – diese fragwürdige Auszeichnung erhielt Stuttgart im vergangenen Jahr vom Verkehrsklub „Mobil in Deutschland e.V.“. Demnach stecken Autofahrer in keiner anderen Großstadt so lange in Staus fest wie in der schwäbischen Landeshauptstadt: bis zu 80 Stunden im Jahr, teilweise sogar noch länger. Da stellt sich natürlich die Frage, warum das so ist und was dagegen unternommen wird.

Ein gewohntes Bild: lange Staus auf den Stuttgarter Straßen. (Bild: Alexander Blum; www.alexanderblum.de)

„A8 Stuttgart Richtung München zwischen Leonberger Dreieck und Leinfelden-Echterdingen 15 Kilometer Stau" – als diese Meldung durch das Radio tönt ist es bereits zu spät. Wieder einmal reichen die roten Bremslichter bis zum Horizont und wieder einmal werden wir wegen eines Staus zu spät kommen. Wahnsinnig ärgerlich. Erst recht, wenn es sich um einen derart wichtigen Termin wie heute handelt. Eigentlich sind wir mit Ralf Thomas, dem Leiter der „Integrierten Verkehrsleitzentrale" (IVLZ) in Bad Cannstatt verabredet. Der muss nun allerdings vorerst warten. Genauso wie wir.

Stuttgarts besondere und schwierige Geografie ist ein Problem

Wenn aber jemand Verständnis hierfür hat, dann vermutlich Herr Thomas. Insgesamt verfügt Stuttgart über 500 Kilometer Hauptverkehrsstraßen, auf welchen sich täglich rund 800.000 Fahrzeuge tummeln. Staus sind da quasi vorprogrammiert. Erst recht, wenn dann auch noch Unfälle und Baustellen hinzukommen. Noch mehr verschärft wird die Verkehrssituation durch die besondere und schwierige Geografie der Stadt. Ein Kessel hat es nun einmal so an sich, dass er sich langsam füllt. Je mehr Autos also in die Innenstadt fahren, desto voller wird es und desto mehr Staus bilden sich.

„Stau entsteht überall dort, wo mehr Fahrzeuge durchwollen als durchpassen" – so beschreibt Stau-Experte Professor Peter Wagner vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Berlin das Phänomen. Er vergleicht die Situation mit einem Unwetter: „Wenn es regnet, saugt der Erdboden eine bestimmte Menge auf. Regnet es stark, kann der Boden irgendwann einmal kein Wasser mehr aufnehmen und es entsteht ein Wasserstau." So ähnlich sei dies auch auf den Straßen. Da auch diese nur über eine gewisse Kapazität verfügen, staut sich der Verkehr, sobald zu viele Autos eine Stelle passieren wollen.

Verteilen, verlagern und wenn möglich vermeiden

Seiner Meinung nach lässt sich dieses Problem auch nicht gänzlich aus der Welt schaffen: „Man könnte sagen, dass nur eine gewisse Anzahl an Fahrzeugen in die Stadt darf, aber das würde mit Sicherheit niemand wollen." Von daher bleibt den Städten eben nichts anderes übrig, als die Situation möglichst gut in den Griff zu bekommen. Als hilfreich erweisen sich hierbei die drei „V": verteilen, verlagern und vermeiden. Während zeitliche Verteilung, also nicht alle Pendler zur gleichen Zeit fahren lassen, und das Verlagern auf andere Verkehrsträger wie öffentlicher Personennahverkehr noch relativ einfach umzusetzen sind, handele es sich beim Vermeiden um die „Königsdisziplin". Hierfür müsse bereits während der Planung von Straßen intensiv über das Staupotential nachgedacht und in der Folge auch deutlich mehr Geld investiert werden.

Ihren Beitrag können allerdings auch die Autofahrer selbst leisten. Konzentriert, rücksichtsvoll und vorausschauend fahren lautet hier die Devise. Außerdem sollten Manöver wie plötzliches Wechseln der Fahrspur oder abruptes Bremsen verhindert werden, findet Professor Wagner: „In dichtem Verkehr führt das leicht zu Staus, zu denen es ansonsten eventuell nie gekommen wäre." Für die Zukunft hofft er auf das sogenannte automatische Fahren. Diese Fahrzeuge seien dazu in der Lage, zumindest nach aktuellen Simulationsrechnungen, erhebliche Potentiale bei der Kapazität zu beheben. „Ich denke, das ist das nächste große Ding", so Wagner.

IVLZ überwacht das Treiben auf den Stuttgarter Straßen

Schlussendlich haben wir es dann doch noch nach Bad Cannstatt geschafft – sogar pünktlich. Direkt gegenüber des Cannstatter Wasen steht dort seit Sommer 2006 auf dem Gelände der Feuerwache 3 die Leitstelle für Sicherheit und Mobilität Stuttgart, kurz SIMOS. Diese beheimatet neben zwei weiteren Leitstellen auch die IVLZ. Hier wird dank moderner Technik der gesamte Verkehr in der Stadt im Blick behalten und versucht Staus jeglicher Art bestmöglich zu vermeiden. Wie gut dies gelingt, was dagegen unternommen wird und was die Zukunft bringen könnte, hat uns der Leiter der IVLZ erzählt in einem interessanten Gespräch erzählt.

Unzertrennlich: Stuttgart und die Staus

Stau, Stau und nochmals Stau! Fast jeder Stuttgarter kennt dieses Problem. Da stellt sich natürlich die Frage, was die Stadt dagegen unternimmt. Wir haben mit Ralf Thomas, dem Leiter der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ), gesprochen.

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Über die Autoren

Jan Geißler

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