Nachhaltiger Tourismus

Urlaub? – Aber bitte auf die sanfte Tour!

03.02.2015

Das prickelnde Gefühl der Sonne auf der Haut, eine sanfte Meeresbrise im Haar, einfach mal die Seele baumeln lassen. So richtig Zeit zum Entspannen und Faulenzen nimmt man sich meist nur einmal im Jahr. Ungern lässt man sich da die Reise von seinem grünen Gewissen vermiesen. Deshalb stellen sich immer mehr Urlauber im Voraus die Frage: Wie nachhaltig ist mein Urlaub wirklich? Ein Trend der auch der Tourismusbranche nicht verborgen bleibt.

Auch die diesjährige CMT zieht tausende Besucher nach Stuttgart (Copyright: Saskia Hörmann)

In Scharen strömen dieser Tage Urlaubsinteressierte in die Hallen des Messegeländes Stuttgart. Denn dort findet vom 17. bis 25. Januar die alljährliche CMT statt. Die CMT gilt als größte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit weltweit. Auf einer Ausstellungsfläche von über 100.000 Quadratmetern präsentieren rund 2000 Aussteller die schönsten Reiseziele und Innovationen der Tourismusbranche. Diese macht rund neun Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts aus und bildet auch in Deutschland einen bedeutenden Wirtschaftszweig. Es ist daher wenig überraschend, dass man auch in diesem Sektor nach Möglichkeiten zur Verbesserung von Umwelt- und Klimaschutz sucht. Auch auf der CMT war dieses Thema präsent. Die Besucher konnten sich bei vielen Anbietern informieren, wie man seinen Urlaub ökologisch nachhaltig gestalten kann. Gerade beim Regionaltourismus, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut, tut sich an dieser Stelle im Moment viel. Baden-Württemberg leistet, laut dem stellvertretenden Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes Dirk Dunkelberg, Pionierarbeit im Bereich des nachhaltigen Regionaltourismus. Bereits vor drei Jahren startete das Land mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie „Grüner Süden – Baden-Württemberg nachhaltig erleben" und war somit Vorreiter für andere Bundesländer. Nach und nach ziehen Schleswig-Hohlstein, Niedersachsen und Brandenburg nach und präsentierten verschiedene Strategien, um den Tourismus in der Region nachhaltiger zu gestalten.

Nur Regional ist optimal

Auf Grund der enorm hohen CO2 Belastung, die bei einer Flugreise oder einer langen Autofahrt entstehen, könnte man annehmen, dass man als verantwortungsbewusster Bürger am besten gar nicht mehr oder nur noch regional reisen sollte. „Das würde ich so nicht unterschreiben" sagt Dunkelberg. Es sei zwar eine Gradwanderung, wenn man an die Emissionen einer solchen Reise denkt. Dennoch sei es eher kontraproduktiv sich nur noch auf Regionalreisen zu beschränken. „Wir sind gefordert andere Länder zu unterstützen" so Dunkelberg. In den Köpfen vieler Menschen ist häufig der Gedanke verankert, dass es sich bei dem Thema Nachhaltigkeit ausschließlich um Umweltschutz handelt. Die ökonomische und soziale Seite wird oft vergessen. Mit einer Reise in ein Entwicklungsland zum Beispiel unterstützt man dieses und hilft Arbeitsplätze zu schaffen. Gerade solche Entwicklungsländer haben vieles zu bieten, worauf wir bei unserem Urlaub großen Wert legen. Warmes Klima, faszinierende Kulturen und unberührte Natur. All dies sollte bewahrt und auch durch unseren Aufenthalt nicht in Gefahr gebracht werden. Aus diesem Grund sollten die Aktivitäten im Urlaub an die örtlichen Bedingungen angepasst und wenn möglich nur umweltfreundliche Verkehrsmittel genutzt werden. Doch selbst wenn all dies während des Urlaubaufenthalts beachtet wird, steht doch eins fest: Je ferner das Ziel, desto höher die bei der An- und Abreise entstehenden Emissionen. Eine Flugreise von Frankfurt nach Dubai und zurück beispielsweise verursacht pro Passagier etwa 2760 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Ein Mittelklasse PKW verursacht etwa 2000 Kilogramm CO2 im gesamten Jahr. Aber was tun, wenn es doch einmal weiter weg gehen soll und ein Flug unvermeidbar ist?

CO2 Neutralität trotz Flugreise?

Fliegen ganz ohne Emissionen – das ist nach dem heutigen Stand der Technik nicht möglich. Sogenannte Treibhausgas-Kompensationsanbieter geben dem Reisenden aber zumindest die Möglichkeit die von ihm verursachten Treibhausgase zu auszugleichen. Er zahlt freiwillig einen Beitrag, der zum Beispiel in Solar- und Wasserkraft oder Energiesparprojekte investiert wird. Zudem werden diverse Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern gefördert. Kompensation kann das Klimaproblem langfristig nicht lösen, aber laut Dunkelberg ist dies bereits ein vielversprechender Ansatz für den Nachhaltigen Tourismus.

Ein gutes Gewissen – nicht um jeden Preis

Eine aktuelle Studie des Bundesumweltministeriums hat ergeben, dass ein Großteil der Reisenden ihren Urlaub gerne nachhaltiger gestalten würde. Allerdings ist das selten der Hauptgrund eine Reise anzutreten. Wir reisen um uns zu erholen, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist zwar vorhanden, jedoch ist er nur nebensächlich. Die Studie verrät nämlich auch, dass die Bereitschaft höhere Kosten dafür zu tragen sich in Grenzen hält. Und auch mehr Zeit für eine intensive Recherche möchten nur wenige investieren. Die diesjährige CMT hat allerdings gezeigt, dass es durchaus möglich ist nachhaltig zu Reisen ohne diese negativen Faktoren in Kauf nehmen zu müssen. Es gibt mehr und mehr kleine Anbieter, die sich auf nachhaltigen Tourismus, der auch liebevoll „sanfter Tourismus" genannt wird, spezialisiert haben. Sie unterstützen individuelle inhabergeführte Unterkünfte, die selten viel hochpreisiger sind als die bekannten Hotelketten und neben einer nachhaltigen Bauweise auch faire Arbeitslöhne für ihre Angestellten bieten. Immer häufiger greifen Hotels und Gastronomiebetriebe auf lokal angebaute Lebensmittel zurück. Das fördert nicht nur die Wirtschaft des Landes und schont die Umwelt, sondern gibt dem Urlauber die Möglichkeit die regionale Küche des Urlaubsziels kennenzulernen. Doch noch nicht jeder ist auf den grünen Zug umgestiegen. Gerade bei größeren Anbietern, die sich über viele Jahre allein auf Massentourismus konzentriert haben, kommt der Nachhaltigkeitsgedanke erst langsam an. Da sich die Menschen ihres Handelns jedoch immer bewusster werden, geht der Trend auch in der Tourismusbranche hin zur Nachhaltigkeit. Tendenz steigend, wie der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes bestätigt. Früher oder später kommen wahrscheinlich nicht einmal die Giganten der Branche daran vorbei ihr Angebot umzugestalten, sofern sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Studie des Bundesumweltministeriums „Nachfrage für nachhaltigen Tourismus". Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren. (Bearbeitet von Saskia Hörmann)

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Über den Autor

Saskia Hörmann

Crossmedia Redaktion/Public Relation
Eingeschrieben seit: SoSe 14