Türkischer Kulturverein

Vom Brandanschlag-Opfer zur eigenen Moschee

22.06.2015

Für viele ist es ein wichtiger Teil des Alltags. Die Rede ist von Kulturvereinen, sie sollen Religion und alte Bräuche bewahren. Diya hat sich einen türkischen Verein in Sindelfingen einmal näher angeschaut.

Das Erste was beim Reinkommen ins Auge fällt sind die vielen Pokale an der Wand. „Wir veranstalten mit anderen Vereinen ab und zu Fußballturniere und wie man sieht sind wir oft erfolgreich", sagt der 19-jährige Oguzhan Öztürk, Jugendleiter des Nationalen Vereins Türkischer Arbeitnehmer. Zur Begrüßung gibt es türkischen Tee, Kekse und Lokum, eine gelatineartige Süßigkeit die aus Sirup hergestellt wird.

Der Dachverein Türkische Föderation gilt in Deutschland laut Verfassungsschutz als „Ausländerextremistische" Organisation. Grund dafür seien die Bestrebungen gegen die Völkerverständigung. Im Ortsverband Sindelfingen ist davon allerdings keine Spur zu sehen. „Es steht zwar National im Namen des Vereins, wir haben aber auch zum Beispiel deutsche Freunde die ab und zu herkommen. Zum Beten kommen nicht nur Türken, sondern auch andere Moslem her", sagt der 19-jährige Emre Avci, ebenfalls Mitglied im Verein. In Sindelfingen musste der Verein schon einiges mitmachen. Das alte Vereinsgebäude wurde 1994 niedergebrannt, die Täter wurden nie gefasst. Auf das Gebäude danach wurde 2007 ebenfalls ein Brandanschlag verübt, diesmal aber ohne große Schäden. Seit drei Jahren sind sie nun auf dem Grundstück in der Pfarrwiesenallee. Seitdem hatten sie keine Probleme mehr mit ausländerfeindlichen Gruppen.

Beten in der eigenen Moschee

Der Nationale Verein Türkischer Arbeitnehmer wurde von Gastarbeitern 1969 in Sindelfingen gegründet. Er ist eine Ortsgruppe der Türkischen Föderation mit Sitz in Frankfurt am Main. Früher half er Gastarbeitern, sich durch die deutsche Bürokratie zu kämpfen. Heute geht es darum, die Kultur und das soziale Umfeld zu bewahren. Außerdem werden regelmäßig Kirmes, Flohmärkte und Fußballturniere veranstaltet. Es wird regelmäßig gegrillt, Döner verkauft und in der hauseigenen Moschee gebetet. Einen Wochenplan mit Aktivitäten gibt es hingegen nicht. „Wir machen spontan worauf wir Lust haben", sagt Oguzhan. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Verkäufe. Religion spielt eine große Rolle für die Mitglieder. Es wird fünf Mal am Tag gebetet und die Moschee ist zu den Gebetszeiten immer geöffnet. Der Verein hat für Männer und Frauen jeweils getrennte Gebetsräume.

Oguzhan Öztürk kam durch die Familie in den Verein, sein Großvater war schon seit der Gründung Mitglied. Er ist für die Jugendarbeit im Verein zuständig, das heißt: Er geht mit Jugendlichen Fußball spielen, geht mit ihnen Essen oder organisiert Treffen mit anderen Vereinen. „ Viele meiner Freunde sind hier im Verein. Es gehört zum Alltag dazu sich hier zu treffen. Wenn andere Probleme zum Beispiel in der Schule haben, lernen wir hier auch mit ihnen", sagt Oguzhan. Im Verein wird viel Fußball geschaut, die Fans der beiden rivalisierenden Klubs Fenerbahce und Besiktas Istanbul sind dabei nicht immer einer Meinung. „Es gibt öfters mal Streit, aber wir gehen trotzdem freundschaftlich miteinander um", sagt der 18-jährige Aykut Muzak, der für Veranstaltungen und Kulturelles im Verein verantwortlich ist.

Eindrücke aus dem Kulturverein

Das Grundstück mit Garten in der Pfarrwiesenallee hat sich der Verein vor drei Jahren gekauft.

Tag der offenen Moschee

Seit 1997 gibt es jedes Jahr am 3. Oktober den Tag der offenen Moschee. Für die meist nichtmuslimischen Besucher gibt es an diesem Tag Moscheeführungen, Diskussionen und Ausstellungen. Der Tag dient zum Abbau von Vorurteilen und Ängsten. Der Nationale Verein Türkischer Arbeitnehmer in Sindelfingen nimmt ebenfalls daran teil.

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Über den Autor

Sven Braun

Crossmedia-Redaktion
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014