Nachhaltige Kaffeekapseln

Vom Kaffee zum Kompost

02.02.2015

Was gibt es morgens Besseres als einen Kaffee? Vor allem mit Espresso & Co. aus diesen praktischen Alukapseln. Vor der Arbeit schon schnell einen Chai Latte mit Triple-Chocolate-Aroma – alles super einfach. Mit ihrer Durchschnittshöhe von dreißig Millimetern verschwinden die Kapseln rasch im Gelben Sack. Es gibt nur ein Problem: Alu zerfällt in rund hundert Jahren, der entstandene Müll ist reines Gift. Jetzt bieten zwei Jungunternehmer aus Winnenden dafür eine Lösung

Lounge Musik – ein Café irgendwo über den Dächern von New York. George Clooney, das ewige Sexsymbol, tritt durch die Tür. Er trägt einen schwarzen Anzug, die Hand lässig in die Hosentasche gesteckt. Er greift zu einer kleinen goldenen Kaffeekapsel und steckt diese in den Automaten – ein Volluto. Eins steht fest: Nespresso weiß, wie man Kaffee richtig in Szene setzt. Kaffee, dessen Aluminiumverpackung bis zu 100 Jahren für den Zersetzungsprozess braucht.

In 365 Tagen fast zwei Mal um die Welt

Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland circa zwei Milliarden Kaffeekapseln geleert. Zur Erinnerung: Eine Milliarde hat insgesamt neun Nullen. Das liegt wohl mit daran, dass im heutigen Zeitalter alles schneller und kleiner sein muss. Portionierter Kaffee passt also gut in unser stylisches Leben – er ist längst kein Getränk mehr, das an Spitzendeckchen und trockenen Kuchen denken lässt. Nun könnte man meinen, dass zwei Milliarden Kapseln nicht viel sind, denn diese Dinger haben ja kaum Gewicht. Um genau zu sein, wiegt eine Nespresso Aluminiumkapsel gerade mal ein Gramm – ein Standardbrief der Deutschen Post darf bis zu 20 Gramm wiegen. Die Kapseln der Konkurrenz kommen auf circa drei Gramm. Wenn man diese Zahlen nun überschlägt, hat der Müllberg rund 4.000 Tonnen Gewicht. Um es mal anders auszudrücken und bildhafter zu gestalten: Würde man alle Kaffeekapseln aneinanderreihen, so würde die Kette eineinhalb Mal um die Erde reichen. Doch wie kann etwas so Kleines, einen so großen Schaden anrichten?

Der Friedhof der Kaffeekapseln. Quelle: Pawlowski erstellt mit Piktochart

Das Leben einer Kaffeekapsel

Bereits bei der Herstellung von Aluminium wird eine große Menge an Energie benötigt. So braucht man knapp 14 Kilowattstunden elektrische Energie, um gerade mal ein Kilogramm Aluminium anzufertigen. Mit dieser Energie könnte man eine handelsübliche Energiesparlampe 23 Tage brennen lassen. Doch damit nicht genug: Durchschnittlich werden bei der Herstellung in Deutschland 8,4 Kilogramm Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Nachdem die Kapsel dann ihren Weg von der Ladentheke bis zum geliebten Kaffeeautomaten gefunden hat, landet sie bestenfalls im Gelben Sack. Danach wird sie entweder recycelt oder in eine Müllverbrennungsanlage gebracht. Das Letzte, das dort von diesen hübschen bunten Schälchen übrig bleibt, ist Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefeloxid und schwermetallhaltiger Staub.

Beanarella – die Erste ihrer Art

Aber wieso tut man nichts gegen diese Umweltbelastung? Das haben sich auch Nick und Wulf Schaude aus Winnenden gedacht und 2011 die Swiss Coffee Company AG gegründet. Sie haben die erste Kaffeekapsel erfunden, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist und das Keimlingssiegel tragen darf – die Beanarella-Kapsel. Dieser Bio-Kunststoff wird aus Polymilchsäure, die aus Zuckerrüben gewonnen wird, und Kreide hergestellt. Nach Gebrauch schmeißt man die Kapsel einfach in den Biomüll. Ein Entsorgungsunternehmen transportiert diesen dann zu einer Kompostieranlage, wo er insgesamt vier Wochen „ruhen" muss. In den ersten zwei Wochen werden die Müllhaufen abgedeckt, um die Selbsterhitzung zu fördern. Bereits nach dieser Zeit gibt es keine intakten Kapseln mehr, sondern nur noch Bruchstücke. Nach vier Wochen haben sich die Kapseln dann komplett aufgelöst. Der hochwertige Kompost kann nun als Dünger für Felder oder auch für die heimischen Blumentöpfe genutzt werden. Um der Umwelt auch schon vor der Herstellung etwas Gutes zu tun, setzen Nick und Wulf Schaude auf biologischen Anbau und fairen Handel. Dadurch werden die CO2-Emissionen um 50 Prozent reduziert.

Der Prozess einer Beanarella-Kapsel. Quelle: Pawlowski erstellt mit Piktochart

Umweltfreundliche Kapseln sind bloß ein kleiner Schritt für den Kaffeetrinker, doch ein großer für die Menschheit. Oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die etwas Großes bewirken können. Vielleicht sollten wir nicht versuchen, mit Mammut-Projekten die Welt zu verändern, sondern mal mit Kaffeekapseln beginnen. Die Schaude-Brüder haben mit ihren Beanarella-Kapseln schon einen wichtigen Schritt nach vorne getan. Auch die Schweiz zieht hinterher. Denn dort gibt es spezielle Rückholsysteme – Postboten nehmen die gebrauchten Kapseln mit und übergeben diese wieder den Firmen.

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Über den Autor

Lisa Pawlowski

Crossmedia Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014