Das Leben ist (k)ein Zauberkasten

Von der BWL zur Zauberei

25.01.2016

Marko Ripperger hat seinen alltäglichen Bürojob aufgegeben und sich selbstständig gemacht – als Zauberkünstler. Motion hat mit ihm über die Hintergründe gesprochen und ihn einen Tag lang begleitet.

Motion: Marko Ripperger – Sie sind hauptberuflich Zauberkünstler. Wie lange machen Sie das schon?

Marko Ripperger: Hauptberuflich mache ich das seit etwa 5 Jahren.

Motion: Aber Sie haben das ja sicherlich nicht von Anfang an gemacht. Welchen Beruf haben Sie vorher ausgeübt?

Ripperger: Nach meinem BWL-Studium habe ich für verschiedene Firmen im Marketing gearbeitet. Erst einige Jahre in der Kitesurf-Branche und zuletzt als Marketing-Manager bei einem Navigationssoftwarehersteller.

Marko Ripperger: Zaubernder Marketing-Fachmann (Foto: Irina Rahn)

Motion: Vom Marketing-Manager zum Zauberkünstler. Dieser Berufswechsel ist ja schon einschneidend. Wie und vor welchem Hintergrund ist diese Idee entstanden?

Ripperger: Zauberei hat mich schon in der Kindheit fasziniert, weil mein Opa schon kleinere Tricks mit mir gemacht hat. Außerdem gab es in der Nähe meines damaligen Wohnorts eine Zauberfirma, wo mich meine Eltern zu Zauberkursen angemeldet haben. Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Geburtstag haben sie mir dann Zauberkunststücke geschenkt. Dadurch kam ich also früh in Kontakt mit professionellen Zauberkünstlern. Als Kind und auch während dem Studium habe ich mir dann mit Zauberauftritten mein Taschengeld aufgebessert. Vor ein paar Jahren wollte ich die Arbeitsstelle wechseln und in der Bewerbungsphase kam mir dann die Idee: Warum werde ich nicht einfach Profi-Zauberer?

Motion: Also haben Sie quasi Ihr Hobby zum Beruf gemacht. Eine relativ sichere Anstellung mit festem Tagesablauf gegen viel Freiheit als selbstständiger Künstler einzutauschen, ist das nicht eine große Umstellung? Was macht Ihr Leben heute aus?

Ripperger: Ja und nein. Denn ein großer Teil meiner Arbeit liegt weiterhin in Marketing-Tätigkeiten am Schreibtisch, wie z.B. die Pflege der Internetpräsenzen, Kundenakquise und -betreuung, Eventmanagement, Entwicklung neuer Marketingideen zum Selbstmarketing und vielem mehr. Allerdings hat sich mein Tagesablauf natürlich ziemlich verändert – ich habe einfach keine geregelten Arbeitszeiten mehr und dafür mehr Freiheiten. So kann ich oft morgens länger schlafen, arbeite dafür aber oft abends und an den Wochenenden. Das Leben ist halt nur bedingt ein „Zauberkasten", denn es ist viel Arbeit, die meine Zuschauer gar nicht mitbekommen. Dazu kommt das Erfinden und Einstudieren neuer Zaubertricks, der Austausch mit anderen Künstlern, live oder per Skype-Session sowie der Besuch von Zauberkongressen, um neue Inspirationen zu kriegen. Kein Tag ist wie jeder andere und ist voller Überraschungen. Das macht die Selbstständigkeit und den Beruf als Zauberkünstler aber auch reizvoll für mich. Ich arbeite noch daran, die perfekte Work-Life-Balance zu finden (schmunzelt). Das Motto „ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt" von Pipi Langstrumpf habe ich dabei immer im Hinterkopf.

Motion: Gibt es Dinge aus Ihrem „früheren Leben" als Marketing-Manager, die Sie besonders vermissen? Oder andersherum gefragt: Was vermissen Sie so gar nicht?

Ripperger: Eigentlich vermisse ich nicht wirklich viel. Früher konnte ich nach dem Feierabend den Schreibtisch im Büro lassen, Privates und Berufliches gut trennen. Jetzt denke ich manchmal auch im „Feierabend" noch über neue Trickideen nach. Oft sehe ich unterwegs irgendetwas, z.B. beim Einkaufen, und es kommt mir eine Idee, wie ich das in einen neuen Trick integrieren kann. Aber das ist alles auch wichtig, um neue und originelle Ideen für mein Publikum zu entwickeln. Was ich überhaupt nicht vermisse ist, einen Chef zu haben, denn jetzt kann ich meine Ideen selbstständig evaluieren und umsetzen. Die Zeit als Marketing-Manager will ich aber auch nicht missen, denn die ganzen Erfahrungen, das Knowhow und die Geschäftskontakte kommen mir als Zauberer auch zu Gute, besonders bei Firmenevents und produktbezogener Zauberei.

Ein Tag als Zauberer

Marko Ripperger hat seinen alltäglichen Bürojob aufgegeben und sich mit seinem Hobby selbstständig gemacht. Jetzt ist der ehemalige Marketing-Manager hauptberuflich Zauberkünstler und jeder Tag hält neue Überraschungen für ihn bereit. Motion hat ihn einen Tag lang begleitet und hinter die Kulissen seines außergewöhnlichen Berufes geschaut.

Motion: Haben Sie ein Hobby, bei dem Sie die Seele baumeln lassen und abschalten können?

Ripperger: Ich reise gerne, mache Sport und habe neuerdings das Salsa-Tanzen und Ukulele-Spielen für mich entdeckt.

Motion: In Ihrem Beruf wechseln Sie ja ständig die Rollen. Von einem „normalen" Menschen schlüpfen Sie in die Rolle des Zauberkünstlers und nehmen Ihre Zuschauer mit in die „Welt der Magie". Wie empfinden Sie diesen ständigen Rollentausch?

Ripperger: So extrem ist der Rollentausch für mich überhaupt nicht, da ich in der „Rolle" des Zauberers eigentlich ziemlich authentisch „ich selbst" bin. Bei einer Bühnenshow ist das Programm natürlich eher einstudiert, bei Close-up- oder Tischzauberei muss ich spontaner auf die Gäste reagieren und passe mein Verhalten an die Situation an.

Motion: Viele Künstler verkörpern ja unterschiedliche Charaktere, die sie je nach Auftritt wechseln können. Wie ist das bei Ihnen? Sind Sie immer „nur" Zauberer Marko?

Ripperger: Nein, nicht nur. Manchmal bin ich auch ein zaubernder Gaukler, z.B. bei Events wie Rittermahlen, und habe dann wirklich einen anderen Charakter, übernehme die Sprechweise des Mittelalters und solche Sachen.

Motion: Gibt es Situationen und Anekdoten, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Ripperger: Vor allem Reaktionen des Publikums. Einmal habe ich einem Zuschauer eine brennende Zigarette ins T-Shirt gesteckt und dort verschwinden lassen. Ich habe ihm gesagt, er findet sie später in seiner Unterwäsche und er hat sich vor dem versammelten Publikum ausgezogen, um nach der Zigarette zu suchen. In Teilen Afrikas sind mir die Zuschauer regelmäßig weggerannt, weil sie dachten, meine Tricks grenzen an Voodoo-Zauber. Schön sind natürlich auch immer die Reaktionen bei Kinderzauberei, wenn ein Kind plötzlich ruft: „Der kann ja wirklich zaubern!" Manchmal sind es aber auch einfach ungewöhnliche Auftrittsorte wie z.B. in Dubai in einem Penthouse auf 400 m Höhe zum Sektempfang.

Motion: Afrika, Dubai…– Sie kommen ja ganz schön rum!

Ripperger: Ich reise gerne. Und wenn sich das mit dem Beruf verbinden lässt, umso besser. Zauberei braucht keine Sprache, von daher bin ich, was die Auftrittsländer angeht, recht flexibel, und kann mögliche sprachliche Barrieren durch meine Zauberkunst brechen. Das ist das Schöne an der Zauberei, dass sie auf der ganzen Welt verstanden wird. Wenn ich privat reise, gehe ich auch mal auf die Leute zu und teste z.B. die Reaktion auf neue Tricks. Allerdings bin ich auch sehr gerne im „Schwabenländle".

Bei einem Magic Dinner zaubert Marko Ripperger auf der Bühne und direkt vor den Augen der Zuschauer an den Tischen. (Foto: Irina Rahn)

Motion: Plaudern Sie doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen: Gab es jemals Events, die richtig schief gelaufen sind?

Ripperger: Richtig schief gelaufen ist zum Glück noch nichts. Allerdings gab es schon schwierige Auftrittsbedingungen wie russische Weihnachtsfeiern, wo Wodka anstatt Mineralwasser getrunken wurde. Oder Auftritte, bei denen sich die Zuschauer die Augen zuhalten, weil sie meinen, Gott hätte ihnen verboten, zuzuschauen. Nervig sind natürlich Zuschauer, die denken, lustiger zu sein als der Zauberer oder noch schlimmer, selbst einen Trick aus dem Kinderzauberkasten zum Besten geben wollen, der dann auch noch schief geht.

Motion: Wie gehen Sie mit Fehlern um?

Ripperger: Ich reflektiere und verbessere daraufhin meine Shows.

Motion: Wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken – würden Sie sagen, die Selbstständigkeit war eine gute Entscheidung und würden alles nochmal genauso machen?

Ripperger: Ja. Auch wenn ich rückblickend natürlich ein paar Dinge auch anders machen oder verbessern würde. An der Grundentscheidung ändert das aber nichts. Angst vor Veränderung und Selbstständigkeit haben viele und hatte ich auch. Aber sobald der Gedanke entsteht, einfach mal ins kalte Wasser zu springen und etwas Neues zu wagen, sollte man das mal ausprobieren. Denn im Worst-Case haben auch schlechte Entscheidungen etwas Positives: Zumindest weiß man dann, was man nicht will. Ich bin jedenfalls froh, dass ich das gefunden habe, was ich will.

Total votes: 303
 

Über den Autor

Irina Rahn

Unternehmenskommunikation (Master)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/2016