Senioren folgen Trend

Von der Taschenuhr zum Smartphone – wie Opa mit der Zeit geht

04.12.2015

Ob Whatsapp, Google Maps oder Online-Shopping – nicht nur die jüngere Generation, auch die ältere findet immer mehr Gefallen an den Vorzügen des World Wide Web. Doch der Umgang mit dem Internet stellt für Senioren oft eine große Herausforderung dar.

Frank Bechler sieht sich wie jeden Samstagabend die Tagesschau an. Heute kommt für den 69-jährigen ein besonders spannender Beitrag über den Grexit, am Ende erscheint jedoch nur wieder der Hinweis „Nähere Infos finden Sie im Netz unter…". Frank Bechler würde die Tagesschau-Website gerne aufrufen können, verfügt aber weder über einen Internetzugriff noch über die dafür nötigen Kenntnisse. Im Gespräch mit einem gleichaltrigen Freund erfährt er vom SeniorenNet Stuttgart: Die Interessengemeinschaft verspricht laut Website, der älteren Generation den Einstieg in die Welt des Internets zu erleichtern. Hier können die Senioren den Betreuern sowohl Fragen zum Thema Internet und Computer stellen, als auch „begleitet" im Internet surfen.

Frank im Gespräch mit den Teilnehmern des SeniorenNet

Das SeniorenNet findet im Haus der Begegnung in Heslach statt. Von einem Besuch erhofft sich Frank Bechler, Meinungen und Erfahrungen der Senioren rund um das Thema Internet einzuholen. Als er in den Kursraum kommt, sitzen die Teilnehmer zwischen 60 und 85 Jahren bereits konzentriert vor ihren Rechnern. Die Mehrheit der Mitglieder gehört laut der ARD/ZDF Mediennutzungsumfrage 2014 zu den etwa 45% der über 60-jährigen, die zumindest gelegentlich das Internet nutzen. Ein Teilnehmer ersteigert gerade auf Ebay ein neues Fahrrad, eine ältere Dame berechnet die Strecke ihres Italienurlaubs auf Google Maps. Ein weiterer Senior schreibt einem Freund online eine Nachricht. „Mails schreibe ich gerne. So bleibe ich mit Freunden aus aller Welt in Kontakt. Aber man wird auch echt dazu gezwungen, weil alles schneller wird und sich die Gesellschaft rasant entwickelt. Da ist ein Brief wirklich lahm dagegen."

Generationen im Vergleich

Laut Kursleiter Manfred Jutte verfügen die meisten Teilnehmer bereits über gewisse Vorkenntnisse. „Ich glaube, wer einmal einen Computer hat, der will darauf nicht mehr verzichten, da gibt es keinen Unterschied zwischen Jung und Alt. Die vielen Möglichkeiten des Internets sind einfach zu reizvoll." Die Frage, ob sich die Senioren der jüngeren Generation beim Thema Internet stark unterlegen fühlen, verneint der 60-jährige Enrico Bernal. Er habe sich von Beginn an damit beschäftigt und könne daher recht gut mithalten. Die Mehrheit der Kursteilnehmer jedoch sieht das nicht so. „Wie die junge Generation mit dem Web umgeht, das ist sensationell, da habe ich keine Chance dagegen. Die sind schon in diese Informationsgesellschaft hineingeboren worden. Für die Älteren ist es echt schwierig, da mitzuhalten", meint Frank Bechler. In Seniorenhaushalten gebe es oft niemanden, der sich gut mit dem Internet auskenne, das sei in jungen Familien anders. „Trotzdem darf man die ältere Generation nicht unterschätzen. Wer sich wirklich für die Technologie begeistert und von den Vorzügen profitieren möchte, der schaffe das auch, ganz nach dem Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Für die Kursteilnehmer ist die Hilfe in diesem Fall das SeniorenNet.

Die Nutzung des Nets birgt auch negative Seiten

Neben der Begeisterung sind sich die Senioren auch über die Gefahren im Netz bewusst. Die Mehrheit von ihnen verzichtet aus Misstrauensgründen auf Online-Banking. Auch haben sie Angst, durch einen Klick ungewollte und teils teure Käufe zu tätigen oder sich Viren auf den Rechner zu ziehen. Kritisch sehen einige auch die Tendenz zur Abhängigkeit und die fehlende Face-to-Face-Kommunikation. Dieses Problem bemerkte auch Ingrid Siegrist: Als sie bei einem Ausflug mit Freunden am Handy saß und darauf hingewiesen wurde, dass das unhöflich sei, kam sie sich vor wie einer der abhängigen Jugendlichen, bei denen man stets den Kopf schüttelt. Dabei benutzt sie ihr Smartphone, das sie zwar stets dabei hat, aber nur selten angeschaltet, lediglich zur Recherche oder für Notfälle. Sie gehört mit ihren 80 Jahren laut der ARD/ZDF Mediennutzungsumfrage 2015 zu den 2% der über 70-jährigen, die ein Smartphone nutzen. „Ob ich mir wünsche, dass es das Internet bereits zu meiner Zeit gegeben hätte? – Eigentlich nicht. Ich bin froh, dass ich mit meinen Freunden damals persönlich kommuniziert habe und alles in der realen Welt stattgefunden hat.". Froh ist auch Frank Bechler über eine Jugend ganz ohne elektronische Medien, in der er seine Freizeit unbeschwert mit seinen Freunden verbracht hat.

Frank während seines Besuchs im SeniorenNet

Die Teilnehmer nutzen viele verschiedene Funktionen des Internets.

Frank Bechler und sein Entschluss

Nach dem Besuch reflektiert Frank Bechler über die Ansichten der Senioren und seine eigenen Erfahrungen während des SeniorenNets. Er möchte auch weiterhin die Möglichkeit nutzen, begleitet zu surfen. Außerdem beschließt er, sich auch privat einen Computer zuzulegen. Und wer weiß … vielleicht kann er ja bald gemütlich von zu Hause aus auf der Tagesschau-Website surfen!

Kommentar von Josef Michel über das Internetangebot für Ältere im ländlichen Ostalbkreis

Opa und das Netz: Auch Josef Michel machte eine ähnliche Erfahrung.

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Über die Autoren

Jana Schüler

Crossmedia-Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015

Rebecca Zeller

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