Journalismus im Iran

Von Unterdrückung, Flucht und Exil

05.05.2015

„Eine Rückkehr ist in nächster Zukunft ausgeschlossen“ – das Fazit eines Mannes, der seine Heimat verlassen musste. Der iranische Journalist Ehsan Mehrabi erlebte, was es heißt in der eigenen Heimat nicht mehr willkommen zu sein. Und was es heißt zu seiner Meinung zu stehen.

Der Weg von Ehsan Mehrabi zum Journalismus war eher ein glücklicher Zufall, als ein geplanter Werdegang. Der Iraner fing ein Studium zum Tief- und Hochbauingenieur an, gründete dann aber während seiner Studienzeit eine studentische Satirezeitung und entdeckte so seine Leidenschaft fürs Schreiben. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Probleme. Nach der Veröffentlichung eines vermeintlich koranfeindlichen Gedichtes, leitete die Universität ein Disziplinarverfahren ein. Die Folge: Ausschluss vom Studium für zwei Semester. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seine journalistische Karriere startete Mehrabi mit Praktika in unterschiedlichen Redaktionen. 15 Jahre lang arbeitete Mehrabi als Parlamentskorrespondent für unterschiedliche iranische Printmedien.

Reporter ohne Grenzen

Am 18. Juni 1994 wird der Verein Reporter ohne Grenzen e. V. ins Leben gerufen und beschäftigt sich heute vor Allem mit Verstößen gegen die Presse- und Informationsfreiheit auf internationaler Ebene. Das 2009 gegründete Nothilfereferat setzt sich für für verfolgte Journalisten und ihre Familien ein.

Der ROG e.V. bemüht sich ein sicheres Aufnahmeland für Journalisten zu finden, wenn es ihrer Heimat zu gefährlich wird.

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Medienlandschaft im Iran

Die Islamische Republik Iran hat eine ausgeprägte Medienlandschaft. Neben einer großen Bandbreite an Zeitungen, gibt es sieben landesweite und etliche regionale Fernsehsender. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es kein Privatfernsehen. Obwohl die einzelnen Fernsehsender nach Themenbereichen definiert sind (bspw. Politik, Unterhaltung, Kultur etc.), nimmt bei allen das Thema Religion etwa die Hälfte der Sendezeit ein.

Seit 1979 unterstehen alle Medien einer Behörde, die diese reguliert und kontrolliert.

Der Anfang vom Ende

Im Sommer 2005 kam der radikal-fundamentalistische Präsident Mahmud Ahmadinedschad an die Macht und mit ihm auch die Einschränkungen in die Meinungs- und Pressefreiheit. Es wurden Redaktionen geschlossen, Zeitungen verboten und etliche Journalisten verhaftet. Den Höhepunkt erreichte diese Willkür im Jahr 2009. Nach der Präsidentschaftswahl und der Wiederwahl Ahmadinedschads schloss die Regierung die „International Association of Iranian Journalists" und ließ rund 150 Journalisten verhaften. Nach dem Wahlergebnis demonstrierten Zehntausende in den Straßen Teherans - in der sogenannten Grünen Bewegung. „Tod dem Diktator", riefen die Menschen ohne Angst vor den regierungstreuen Revolutionsgarden. Genau über diese Demonstrationen berichtete Mehrabi in einem Interview mit der persischen BBC. Die Kooperation mit einem ausländischen Medium legte die Regierung ihm später zur Last. Laut Mehrabi übte er in diesem Interview mit keinem Wort Kritik an der Regierung. „Ich habe meine Worte mit großer Vorsicht gewählt.", erinnert Mehrabi sich. Im Februar 2010 wurde er verhaftet. Nach drei Monaten konnte er das Gefängnis verlassen, wurde aber nur wenige Wochen später abermals inhaftiert. Weitere acht Monate mit Folter, Erniedrigung und Schmerzen später kommt der Iraner auf Kaution frei und entschließt sich, seine Heimat zu verlassen.

Ein Lächeln auf dem Gesicht - trotz aller Schwierigkeiten. Dieses Foto entstand während seiner Zeit im iranischen Gefängnis. Gemacht wurde es von seiner Frau - im Geheimen. (Quelle: privat)

Der Weg in die Fremde

Im Oktober 2011 flieht der Iraner in die benachbarte Türkei. Hier verbringt er 15 Monate ohne zu wissen, wie seine Zukunft aussehen soll. Nachdem der Asylantrag von den türkischen Behörden abgelehnt wird, wendet sich Mehrabi an das UN-Büro. Die Reaktion auf diesen alternativen Weg ins Exil lässt nicht lange auf sich warten - es erreicht ihn ein Brief von der türkischen Polizei, der unmissverständlich klar macht, dass der Journalist in dem Land nicht willkommen ist. „Der Brief hat sich angehört, wie eine Drohung. Ich musste weg", sagt Mehrabi. Also ergreift er seine letzten Chancen und wendet sich an einen befreundeten Politiker in Berlin. Innerhalb von zwei Tagen holt Ehsan Mehrabi seine Frau in die Türkei und tritt mit ihr gemeinsam die Flucht nach Deutschland an. „Sie musste alles zurücklassen. Mir zu liebe.", so Mehrabi.

Leben im Exil

Seit zwei Jahren lebt Mehrabi mit seiner Frau in Berlin und arbeitet weiterhin als freiberuflicher Journalist für die persische BBC. „Das erste Jahr in Deutschland war sehr schwer. Wir konnten keine Wohnung finden. Und auch die Flüchtlingsheime waren überfüllt. Wir fühlten uns hilflos!", sagt Mehrabi. Nicht nur die Wohnungssuche, sondern auch der Status als politischer Flüchtling birgt viele Tücken. „Die Ungewissheit, ob die Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird, macht einem schon zu schaffen.", so Mehrabi. Obwohl sein berufliches Handeln jetzt viel einfacher, sei es doch nicht das selbe. „Im Iran war ich gut vernetzt und konnte Interviews mit relevanten politischen Personen führen. Hier berichte ich nur noch von außerhalb. Ich bin nicht vor Ort.", sagt der Iraner. Sowohl er, als auch seine Frau wollen weiterhin als Journalisten arbeiten. Auf Grund der Sprachbarriere können sie aber in keiner deutschen Redaktion arbeiten. Dennoch sind beide sehr realistisch und sagen selbst, dass eine Rückkehr in der nächsten Zukunft unmöglich ist. Auch mit dem neuen Präsidenten Hassan Rohani hat sich die Situation für Journalisten keineswegs verbessert. Rohani bemüht sich zwar im Hinblick auf die Außen- und Wirtschaftspolitik, interessiert sich jedoch nur sehr wenig für die innenpolitische Lage. Seine treusten Wähler waren Anhänger der Grünen Bewegung. „Die Situation im Iran ist trügerisch.", mahnt Mehrabi.

Seit 2009 ist Deutschland Aufnahmeland für iranische Blogger und Journalisten, die auf Grund der politischen Lage ins Exil flüchten mussten. (Quelle: Jana A. Fehler)

Hier gehts zur vollständigen Infografik.

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Über den Autor

Jana Anastasia Fehler

Crossmedia-Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/15