Tabuthema weibliche Masturbation

Weiblich, heimlich, Handarbeit!

30.05.2016

Fast jede tut es, keine sagt es: Masturbieren. Dabei ist es doch eigentlich ganz natürlich. Wir schämen uns für etwas, von dem wir wissen, dass alle anderen es auch machen. Warum eigentlich?

Masturbieren: Ein klassisches Tabuthema, vor allem bei Frauen|Bild: Aline Spantig

Vor allem Frauen sind diejenigen, die am wenigsten über Selbstbefriedigung reden wollen. Selten schaut jemand seinen Kumpel schräg an, wenn er in der Männerrunde erzählt, dass er sich einen Porno angeschaut hat. Viele Frauen würden sich das hingegen nie trauen. Paula Lambert spricht das in ihrer TV-Show „Paula kommt" neben anderen Sex-Themen immer wieder an. Auch sie ist der Meinung, dass Frauen, die sich selbst berühren, um sich Lust zu verschaffen, nach wie vor bösartigen Bewertungen ausgesetzt sind. Des Öfteren hat sie es erlebt, dass Frauen ihr glaubhaft machen wollten, sie hätten keine sexuellen Triebe mehr. Es gibt ja tatsächlich Menschen, die einfach keinen Spaß an Sex finden. Aber viele – vor allem Frauen – verstecken sich hinter der Lüge. Sie haben sehr wohl sexuelles Verlangen, so Lambert, und befriedigen das auch selbst. Sie geben es bloß nicht zu.

Eine 51-Jährige spricht über das Tabuthema

Verklemmtsein verschlechtert die Qualität des Sex

Die Sexualtherapeutin Sabine Schmidt erklärt, dass sich das auf die Qualität des Masturbierens auswirken kann. Wer sich selbst intim berührt und dabei die ganze Zeit daran denkt, dass das eigentlich beschämend ist, der kann sich nicht gehen lassen. Wir müssen uns also frei machen von dem Gedanken, dass wir etwas Verbotenes tun. Nur so können wir „von innen heraus kommen", beschreibt es Sabine Schmidt.

Männern fällt das offensichtlich leichter als Frauen. Einen Grund dafür sieht Sabine Schmidt in der Anatomie. Kleine Jungs spüren von Anfang an, dass da ein Ding ist, das sie begleitet. Immer wieder fassen sie ihren Penis beim Pinkeln an und merken dann irgendwann, dass es sich gut anfühlt, wenn sie ihn anders berühren. Mädchen hingegen müssen ihre Geschlechtsteile erst entdecken. Es ist nicht ganz einfach, das Ganze ohne Hilfsmittel zu erkunden. Und die Hemmschwelle, sich einen Spiegel zu nehmen und seine Vagina zu betrachten, ist groß.

Eine 18-Jährige teilt ihre Erfahrungen

Die DDR: Erzwungene Freizügigkeit

Doch nur weil wir wissen, wie wir nackt aussehen, bedeutet das nicht, dass wir nicht verklemmt sind. Die DDR lebte die Freikörperkultur: Familien fuhren scharenweise mit ihren Trabbis an die Ostsee und genossen splitternackt ihren Camping-Urlaub. Man müsste meinen, wer sich so freizügig gibt, für den ist Masturbation kein Tabuthema. Pustekuchen. Erzwungene Freizügigkeit macht Selbstbefriedigung nicht einfacher, im Gegenteil. Wir brauchen Zeit und Freiraum, um unsere Körper zu entdecken, einfach weil es etwas sehr Intimes ist. Wenn dann immer jemand ins Zimmer platzt, wenn wir uns selbst erkunden, können wir uns nicht frei entfalten.

Nichtsdestotrotz, Verschwiegenheit ist das Letze, was für erfüllende Selbstbefriedigung förderlich ist. „Masturbation gehört zum Mensch sein", betont Paula Lambert. „Wir müssen das einfach immer weiter thematisieren und Fürsprecher gewinnen, damit es endlich Normalität wird", appelliert sie.

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Über den Autor

Aline Spantig

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015