Vegan leben im Advent

Weihnachten mal ohne Tiere

04.12.2014

Vegan leben, das heißt der Verzicht auf jegliche Tierprodukte wie Fleisch, Eier, Milch, Honig und noch mehr – von der rein pflanzlichen Ernährung bis hin zur tierfreien Kleidung. Gerade in der Adventszeit können wir uns vor tierischen Produkten kaum retten. Ob Adventskalender, Lebkuchen, Weihnachtsgans oder der warme Wollpullover. Wie (über)lebt ein Veganer diese Zeit also?

Vegane Plätzchen - die gibt es tatsächlich! Vegane Läden können auch zur Adventszeit mit herkömmlichen Supermärkten mithalten. (Foto: Sarah Krader)

Die Stadt leuchtet, überall duftet es nach Lebkuchen und Plätzchen, die Supermärkte verführen uns mit Weihnachtsangeboten – Adventskalender, Schokonikoläuse und Stollen, die uns die Weihnachtszeit versüßen sollen. Aber auch Veganer müssen darauf nicht verzichten, denn spezielle Supermärkte bieten viele tierfreie Ersatzprodukte und alles rund-um vegane Ernährung an.

„Die Kichererbse" im Stuttgarter Süden ist einer von ihnen. Auf den ersten Blick wirkt der kleine Laden wie ein Biomarkt; es scheint sich jeder zu kennen, das Angebot ist überschaubar, der Kunde wird nicht mit Sonderangeboten und Werbetafeln zu Produkten gelockt.

Nora Hoffrichter und Helga Fink sind die Inhaberinnen der Kichererbse, dem ersten rein veganen Laden in der Landeshauptstadt.

„Veganer müssen auch in der Adventszeit auf nichts verzichten, es gibt sowohl Wurst- und Fleischersatz und viele Schokoladenprodukte wie Lebkuchen und Plätzchen", erzählt Helga Fink. Zusätzlich gebe es in der Umgebung viele vegane Restaurants, die auch saisonale Gerichte anbieten. Insbesondere zur gerade begonnenen Weihnachtszeit stehen dort Seitan-Entenbrust und Hackbraten mit Maronen und Äpfeln auf der Speisekarte.

Traditionelle Rituale und Veganismus in Einklang bringen - aber wie?

Auch Elisa aus Stuttgart lebte insgesamt vier Jahre fleischlos, zwei Jahre davon vegan. Vor fünf Jahren entschloss sich die 22-Jährige auf tierische Produkte zu verzichten: „Fleisch hab ich aus geschmacklichen Gründen nicht gegessen und weil mir die Vorstellung Fleisch zu essen irgendwie total absurd vorkam", erzählt Elisa.

Darüber hinaus erzählt uns die ehemalige Veganerin wie schwer es anfangs für sie war, traditionell Weihnachten im Kreis ihrer Familie zu feiern: „Bei uns Zuhause gab es immer Ente. Meine Mutter liebt Fleisch. Ich musste daher immer separat kochen, was manchmal nervig war. Die konventionellen Plätzchen und Lebkuchen gingen auch nicht. Da muss man auf die im Reformhaus oder Biomarkt zurückgreifen oder selber backen."

Allerdings sei diese Art der Ernährung sehr kostspielig, vor allem wenn man auf achte. „Eine normale Milch bekommt man ja schon für 99 Cent, eine Pflanzenmilch kostet bei mir 2.69 Euro", weiß die Stuttgarterin.

Die 22-jährige Elisa aus Stuttgart lebte zwei Jahre vegan. Ganz auf Fleisch möchte sie dennoch nicht mehr verzichten. (Foto: privat)

Trotz der hohen Preise, vegan sein ist in – so lautet zumindest eine aktuelle Statistik des Meinungs- und Forschungsinstitutes YouGov. Diese belegt, dass in Deutschland rund 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung vegan lebt und der Trend stetig weiter wächst.

Auch das Marktforschungsunternehmen „biovista" berichtet über ein Umsatzplus der Supermärkte und Bioläden von 19,4 Prozent im vergangenen Jahr. Laut der veganen Gesellschaft Deutschland e.V. gibt es über 800.000 Veganern in der Bundesrepublik, Tendenz steigend.

Ganz ohne geht’s nicht

„Man muss darauf achten, genügend Nährstoffe aufzunehmen, die vermehrt in tierischen Produkten vorkommen. Vor allem das Spritzen von Vitamin B12 und die Einnahme von Kalziumtabletten, die durch den Mangel von Milchprodukten fehlen, sind für Veganer zwingend notwendig", weiß der Ernährungswissenschaftler Jannik Herzner.

Auch Elisa merkte die fehlenden Stoffe spürbar. Nach eigener Aussage fühlte sie sich durch mangelnde Kohlenhydrataufnahme zunehmend schwächer und fing schließlich an, sich über Alternativen zu informieren.

Nach vier Jahren ohne tierische Produkte war es für die 22-Jährige dann aber wieder an der Zeit, normal zu essen. „Mir kamen irgendwann wieder die Gelüste nach Fleisch und ich wollte diesen nachgeben. Außerdem war ich nie die krasse Veganerin, die versucht hat, andere Menschen zu beeinflussen, sondern ich habe ihnen geraten, Fleisch bewusst zu konsumieren, das mache ich heute auch noch."

Die Bilanz für veganes Weihnachten lautet also – Der von Duft von Glühwein, Plätzchen und Lebkuchen stimmt derzeit alle Menschen auf das bevorstehende Fest ein, die Weihachtsmärkte haben ihre Türen geöffnet. Dank vieler veganer Alternativen kann man die Adventszeit, die voller Verlockungen steckt, auch ohne tierische Produkte genießen. Nichts ist unmöglich, wenn man das nötige Kleingeld und die erforderliche Motivation dafür mitbringt.

veganer Selbstversuch

Wie kann man sich von heute auf morgen, in der wohl schwierigsten Zeit, der Adventszeit, vegan ernähren? Wir haben den Versuch gewagt.

Tüte

Rezept

Hier findet ihr ein veganes weihnachtliches Rezept für Zimtsterne zum Download.

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Über die Autoren

Jasmin Albrecht

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: SoSe 2014

Sarah Krader

Crossmedia Redaktion / Public Relations
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