Laute Welt

Wenn Hände tanzen lernen

20.01.2017

„Rhythmus ist ein universelles und umfassendes Geschehen. Wir könnten nicht existieren, wenn wir keinen Rhythmus in uns hätten” so Christoph Haas – Komponist, Musiker und Trommellehrer aus Stuttgart. Doch wie können wir unser Rhythmusgefühl aktivieren und wie begegnen sich Menschen beim gemeinsamen Musizieren? Ein Abend bei Christoph Haas, liefert Einblicke in die Welt des Trommelns.

Im Atelier „Impuls" wird getanzt, gesungen und getrommelt. |Foto: Anuscha Höhn

Rhythmische Trommelklänge erfüllen den Innenhof des Ateliers „Impuls”. Am Eingang steht ein kleiner Gartenzwerg, der eine Trommel schlägt. Während eine Unterrichtsgruppe die Stunde langsam beendet, legen die nächsten Teilnehmer Schuhe und Mäntel in der Garderobe ab und plaudern miteinander. Von den Gruppenmitgliedern trommeln hier einige schon seit über 20 Jahren und so herrscht eine familiäre und vertraute Atmosphäre.

20.30 Uhr – der Aufbau-Kurs beginnt. In dem geräumigen Atelier brennt gedämpftes Licht und am Fenster leuchtet eine Kerze. Der Raum lebt von den Trommeln, die sich allen erdenklichen Größen, Modellen und Formen stapeln.

Das Rhythmusatelier ist ein gemütlicher Ort, der Raum für Inspiration und Kreativität bietet. |Foto: Anuscha Höhn

Perkussion beschäftigt Christoph Haas seit seiner frühen Kindheit

Mittendrin der Musiker, Komponist und Rhythmuslehrer Christoph Haas. Seit 30 Jahren unterrichtet er verschiedene Gruppen, in der Zuffenhausener Altstadt. Seine Leidenschaft für Perkussionsinstrumente, also Schlag- und Effektinstrumente, wurde bereits in jungen Jahren geweckt. Der 63-jährige erinnert sich an seine Kindheit in Herrenberg: „Bei den Proben für das Weihnachtsoratorium war ich wie elektrisiert von den Pauken. Ab diesem Moment wusste ich: Das ist es!” Erst beginnt er an Schlagzeug zu spielen. Später unternimmt er Studienreisen nach Afrika, Lateinamerika und Indien.

Christoph Haas besitzt eine umfassende Sammlung diverser Trommeln. Darunter auch diese persische Rahmentrommel. |Foto: Anuscha Höhn

Beim gemeinsamen Trommeln entsteht eine ausgelassene Stimmung

Die ersten Trommelschläge erfüllen den großen Raum. Die Gruppe bewegt sich zu den Klängen und scheint von der Musik verbunden zu sein. Haas gibt sanfte Impulse und Anleitungen, doch auch die anderen Gruppenmitglieder liefern Tempovorschläge und entscheiden frei, an welcher Trommel sie spielen wollen. Nach jedem Stück wird gejubelt, gelacht oder sich über das Gespielte ausgetauscht. Dass sich die Trommel, auch außerhalb des Orchesters, einer immer größeren Beliebtheit erfreut, liegt an den verschiedenen Wirkungsfeldern des Instrumentes. Beim Trommeln in der Gruppe entstehen Begegnungen außerhalb der verbalen Kommunikation. Aus musikpädagogischer Perspektive fördert das Trommeln nicht nur Kreativität, Konzentrationsfähigkeit und soziale Kompetenzen, sondern kann auch helfen Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten.

Christoph Haas gibt nicht nur sein musikalisches Wissen und Können weiter, sondern gestaltet seinen Unterricht auch auf persönliche und herzliche Weise. |Foto: Anuscha Höhn

Jeder Mensch besitzt rhythmisches Wissen

Die Trommel ist eines der ältesten Instrumente der Menschheit und man findet sie beinahe in jedem Kulturkreis. In Europa taucht die Schlagtrommel in der militärischen Marschmusik oder im klassischen Orchester auf. Christoph Haas‘ Teilnehmer interessieren sich jedoch vor allem für die exotischeren Exemplare und so ist der Abend von westafrikanischen Klängen geprägt.

Erst singt die Gruppe ganz leise und zart. Dann in Kombination mit Rasseln und Trommeln. Die Stimmung ist nun auf dem Höhepunkt und die Teilnehmer scheinen in ihrem Spiel versunken zu sein. Es wirkt, als würden sich Hände und Körper intuitiv bewegen. Was Christoph Haas beschreibt, spielt sich nun im Saal ab: „Trommeln ist die pure Freude am Leben und am Austausch mit den Anderen. Letzen Endes geht es nur um Liebe und um nichts anderes.” Der Musiker ist davon überzeugt, dass jeder Mensch grundlegendes rhythmisches Wissen mit auf die Welt bringt. Diese Fähigkeit ist in uns angelegt und kann kultiviert werden. Ihm ist es wichtig, im Unterricht eine angstfreie Atmosphäre zu schaffen. Eine Einladung, auf die man sich einlassen kann.

Eine Kombination aus Gesang und Instrumenten beendet die Stunde.

Nach der Trommelrunde, lassen einige Mitglieder den Abend noch in einer kleinen Gastwirtschaft ausklingen. Für Christoph Haas geht ein anderer Tag in seinem Rhythmus-Atelier zu Ende. Der Unterricht und das Trommeln, ist nur ein Teil des Ganzen. Üben, Komponieren, Konzertprogramm-Entwicklung – das alles ist Bestandteil seiner Arbeit, die er mit Passion und Herz, praktiziert. Christoph Haas betont: "Für mich ist das Melodische, Harmonische und Strukturelle genauso wichtig, wie das Rhythmische. Und die Stille ist genauso wichtig wie die Lautstärke. Es geht darum, die richtige Balance zu finden”

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Über den Autor

Anuscha Höhn

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016