Fairport Stuttgart

Wie grün kann ein Flughafen sein?

25.11.2014

Stuttgart will der grünste Flughafen Europas werden. Die Chancen dafür stehen gar nicht mal so schlecht. Während sich die einen noch in der Forschungs- und Testphase befinden, haben andere Flughäfen wie Stuttgart bereits auf “grün” umgestellt. Doch wie Nachhaltig ist Stuttgart im Vergleich zu den zwei größten Flughäfen Deutschlands?

Flughafen Stuttgart (Foto: Stefanie Bross)

Umweltschutz und Flughafen- ein Widerspruch in sich. Wie kann ein Flughafen nachhaltig sein? Fliegen ist bisher die umweltschädlichste Art zu reisen. Wissenschaftler haben berechnet, dass die CO2-Emissionen pro geflogenen Kilometer eines Passagiers im Vergleich zu einem modernen Auto mehr als doppelt so hoch sind. Dazu kommen bei einem Flughafen noch viele weitere Faktoren dazu, die für die Umwelt schädlich sind: der Müll aus den Geschäften, die Schadstoffe der Enteisungsanlagen, der zusätzliche CO2-Ausstoß der verschiedenen Fahrzeuge, das Abwasser und die Energieversorgung.

Eine Flughafengesellschaft kann jedoch einige dieser Faktoren mit beeinflussen.

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Umweltschutz am Flughafen Stuttgart (Grafik: http://www.flughafen-stuttgart.de/media/529221/Umweltgrafik.pdf)

CO2-Reduzierungen der Flughäfen

Unterstützende Maßnahmen zur CO2–Reduzierung liefert der Stuttgarter Flughafen im Bereich Elektromobilität. Als bundesweit erster Flughafen setzte er einen elektrobetriebenen Passagierbus im Normalbetrieb ein.

Der Frankfurter Flughafen im Vergleich ist mit 58 Millionen Passagieren im Jahr der größte Flughafen in Deutschland. Mit seinem Nachhaltigkeitsmanagement beteiligt sich das Unternehmen an internationalen Klimaschutzinitiativen und investiert in die Forschung emissionsarmer Flugzeuge.

München hat den zweitgrößten Flughafen Deutschlands (MUC). Auch dieser setzt sich für einen geringeren CO2-Ausstoß im Betrieb ein. Um die Luftverschmutzung zu verringern investiert der MUC in Fahrzeuge mit weniger CO2-Ausstoß. Durch den Einsatz von Pflanzenöl konnten bereits mehr als 250 Tonnen CO2 eingespart werden. Das ist so viel wie die CO2-Emissionen von vier Vier-Personen-Haushalten im Jahr. Bis zum Jahr 2020 wollen die Flughäfen München und Stuttgart CO2-neutral wachsen.

Maßnahmen zur nachhaltigen Energieversorgung

Um die CO2–Emissionen einzusparen müssen Maßnahmen in der Energieversorgung getroffen werden. Zur besseren Energieversorgung gehört am Frankfurter Flughafen eine CO2– und Energieverbrauchskontrolle um effizientere Einsparungen, Sanierungen wie auch Umbauten vorzunehmen. Es wurden bereits Modernisierungen zum Beispiel an den Gepäckförderanlagen oder ein Austausch von alten Motoren vorgenommen. Wie bei den anderen beiden Flughäfen wird auch hier schrittweise LED-Technik eingesetzt.

Auch in Sachen Energiegewinnung haben die Flughäfen neue Strategien entwickelt.

Wie am Stuttgarter Flughafen gibt es auch in München auf dem Dach des Terminals 2 eine ca. 3.600 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage, das entspricht der Hälfte eines Fußballfeldes. Diese produziert eine Gesamtstrommenge von 445.000 Kilowattstunde pro Jahr. Das macht 0,2 Prozent des Gesamt-Jahresbedarfs am Flughafen aus.

Die Fotovoltaikanlage auf dem Stuttgarter Flughafen dagegen hat eine Gesamtfläche von 10.500 Quadratmeter und produziert jährlich über 1,4 Gigawattstunden Strom, dieser deckt 4 Prozent des Jahresbedarfs ab. Der restliche dazugekaufte Strom kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen.

Besonderheiten

Eine Besonderheit in Frankfurt ist das interne Carsharing-System. So werden weniger Dienstfahrzeuge benötigt und die bereits vorhandenen besser ausgelastet.

Der Flughafen München dagegen bietet den Bürgern und Gemeinden aus der Region eine außergewöhnliche Gelegenheit an. Sie können einen möglichen Verdacht auf Verunreinigung (z.B.: von Obst und Gemüse) wissenschaftlich überprüfen lassen. Neben einer genauen Erfassung des CO2-Ausstoßes in einer Datenbank, nutzt der Flughafen das "Bio-Monitoring”. Dabei filtern Pflanzen an 14 verschiedenen Standorten die vorhandenen Schadstoffe aus der Luft. Die Inhaltsstoffe der Pflanzen werden auf Verunreinigungen untersucht und in der CO2-Datenbank gespeichert.

Auch der Stuttgarter Flughafen hat eigene Ideen entwickelt um die Nachhaltigkeit zu fördern. So werden Forschungsarbeiten zu umweltfreundlichem Fliegen von der Flughafengesellschaft mit dem „Aviation Award" und 150.000 Euro ausgezeichnet. Auch die Passagiere können an den Atmosfair-Computerterminals selbst aktiv werden. Dort können sie die durch ihre Flugreise verursachten Emissionen berechnen und diese mit einer Spende für Klimaschutzprojekte ausgleichen.

Der grünste Flughafen?

Es ist nicht einfach einen direkten Vergleich der Flughäfen zu schaffen, denn sie unterscheiden sich allein in ihrer Größe stark. Trotzdem lässt sich sagen, dass die deutschen Flughäfen in Sachen Nachhaltigkeit weiter sind als die weltgrößten und wichtigsten Flughäfen wie Atlanta oder Peking. Europaweit gibt es ebenfalls kaum vergleichbare Flughäfen mit diesen ausgeprägten Nachhaltigkeitsstategien. Alle drei verglichenen Flughäfen unternehmen ähnliche Maßnahmen und Investitionen um den negativen Einfluss auf die Umwelt zu verringern. Damit gehen sie mit gutem Beispiel voraus. Trotz allen Anstrengungen ist nicht zu vergessen, dass das Fliegen weiterhin die umweltschädlichste Art des Reisens ist.

Grünster Flughafen der Welt

Mexiko plant den grünsten Flughafen der Welt. Der Bau wird voraussichtlich 2015 beginnen und bis 2062 dauern.

Nachhaltigkeit am Flughafen Stuttgart

Der Flughafen Stuttgart und seine Nachhaltigkeitsstrategie

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Über die Autoren

Steffi Bross

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Janina Flaig

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