Rettungshunde

Zwischen Notruf und Leckerli

01.02.2017

Tagsüber Familienhund, abends unterwegs auf heldenhafter Mission: Sobald der Notruf eingeht, heißt es raus aus dem Körbchen und rein ins Einsatzfahrzeug. Das Ziel? Menschenleben retten! Aber wie wird aus einem Haustier ein Helfer in der Not?

Höchste Konzentration! Ein Rettungshund darf sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. |Bild: BRH

Wenn Menschen als vermisst gemeldet werden, zählt jede Sekunde. Deshalb ist es wichtig, dass Mensch und Tier im Team zusammenarbeiten und sich aufeinander verlassen können. „Der best ausgebildete Rettungshund bringt nichts, ohne einen ebenso guten Rettungshundeführer", so Amrei Groß, Rettungshundeführerin und Suchtrupphelferin beim Bundesverband Rettungshunde e.V. Ulm (BRH). Aus diesem Grund werden nicht nur der Hund, sondern auch der Mensch an seiner Seite ausgebildet. Ein Hundeführer muss lernen, das Verhalten seines Hundes zu interpretieren. Sowohl der Umgang mit Karte, Kompass und GPS als auch Erste Hilfe will gelernt sein. Im Notfall gilt es nämlich nicht nur dem Menschen zu helfen, sondern auch dem Hund: „Das ist eigentlich analog zur menschlichen Erste Hilfe – vom Pfotenverband bis hin zur Herzdruckmassage", sagt Groß.

Was ist der BRH?
Der „Bundesverband Rettungshunde" ist die größte und älteste rettungshundeführende Organisation in Deutschland.
Ziel ist es, gemeinsame und verbindliche Ausbildungs- und Einsatzrichtlinien zu entwickeln und anzuwenden.
Der BRH besteht bundesweit aus rund 80 Staffeln mit mehr als 600 geprüften und einsatzfähigen Rettungshundeteams.

Gleichzeitig wird der Hund spielerisch an seine neuen Aufgaben herangeführt. Dieser lernt sich gehorsam und angemessen in verschiedensten Umweltsituationen zu verhalten, sich nicht durch Geräusche und Gerüche ablenken zu lassen und nach Personen in Trümmern, in Lawinen oder im Wasser zu suchen und diese durch lautes Bellen oder „Bringseln" anzuzeigen. Dabei wird dem Hund ein kleiner Gegenstand am Halsband befestigt, welchen er im Falle eines Personenfundes zwischen die Zähne nimmt, zum Rettungshundeführer zurückkehrt und ihm damit den Fund anzeigt.
Bis zum einsatzfähigen Rettungshundeteam müssen Hundeführer und Hund mehrere Prüfungen in einzelnen Teilgebieten bestehen. Die große Rettungshundeprüfung am Ende der zwei bis dreijährigen Ausbildung wird jährlich wiederholt, um die erworbenen Kenntnisse nachzuweisen und somit die Einsatzfähigkeit zu bestätigen. Alle rettungshundeführenden Organisationen haben Qualitätsrichtlinien und Prüfungsordnungen, denen sich die angeschlossenen Staffeln unterwerfen. Gesetzliche Vorgaben gibt es nicht.

Wie bringt man einen Hund dazu, Leben zu retten? Amrei Groß gibt Antwort.

Der beste Freund des Menschen

Es ist kein Zufall, dass gezielt Hunde als Rettungstiere eingesetzt werden. Hund und Mensch arbeiten schon seit Jahrtausenden Seite an Seite. Sie bewachen die Herde des Schäfers, verfolgen gemeinsam mit dem Jäger die Fährte des Wildtiers oder ziehen den Schlitten durch Schnee und Eis. Die Vierbeiner zeichnen sich durch ihren ausgeprägten Geruchssinn aus. Sie können über eine Million Gerüche voneinander unterscheiden und verschüttete Menschen auch unter neun Metern Beton und Schutt orten. Rettungshunde sind unersetzliche Helfer: Bei guten Wind- und Witterungsverhältnissen sind sie in der Lage, den Geruch eines Menschen noch in über 200 Metern Entfernung wahrzunehmen. Sie suchen unzugängliches Gebiet von der Größe eines Fußballfeldes innerhalb weniger Minuten verlässlich ab und ersetzen somit einen Suchtrupp von bis zu 30 Personen. Auch nach Autounfällen werden Rettungshunde eingesetzt, wenn Verletzte im Schockzustand weglaufen.


„Fast jeder arbeitsfreudige Hund kann Rettungshund werden", erklärt Amrei Groß. Ein paar Voraussetzungen sollte ein zukünftiger Rettungshund allerdings dennoch mitbringen. So sollte er zu Beginn der Ausbildung nicht älter als drei Jahre alt sein und keine Aggressionen gegenüber Menschen und anderen Hunden zeigen. Optimal ist zudem eine mittlere Größe. „Ein Bernhardiner ist für die Trümmerarbeit einfach zu schwer und ein Chihuahua wird in der Fläche aufgrund des meist dichten Bewuchses in aller Regel körperlich scheitern", sagt Groß. Grundsätzlich geeignet sind alle leistungswilligen, aufgeschlossenen Hunde, wenn sie körperliche Gesundheit, Nervenstärke und Lernfreude mitbringen. Spezielle Züchter für Rettungshunde gibt es demnach nicht. Amrei Groß ist selbst Besitzerin von zwei Schweizer Schäferhündinnen: Anouk (5 Jahre), Rettungshund für Fläche und Trümmer und Clover (1 Jahr), Rettungshund-Azubi.

Der Stoff aus dem Helden gemacht sind: Hündin Anouk in ihrem Rettungsgeschirr. |Bild: Eliane Wikert

In erster Linie Eigenschutz

Aber wie genau läuft so ein Einsatz mit der Rettungshundestaffel ab? Wenn ein Mensch als vermisst gemeldet wird, nimmt die Polizei über die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Ulm Kontakt zum BRH auf. Der diensthabende Zugführer erfragt dann die Details zum Einsatz und entscheidet, ob es Sinn macht, diesen zu übernehmen. Grundsätzlich gilt: Es darf keine Gefährdung der Einsatzkräfte bestehen – Eigenschutz geht immer vor. „Eine schwer bewaffnete Person aufzuspüren würde zum Beispiel eher nicht in unser Aufgabengebiet fallen", erklärt Amrei Groß. Auch sind die Witterungs- und Gebietsverhältnisse entscheidend. Einen Flächenhund in ein dicht bebautes Gebiet mit vielen Menschen ohne Grünflächen zu schicken oder bei 36 Grad auf dem Asphalt Witterung aufnehmen zu lassen, würde nicht zum Erfolg führen. Wird der Einsatz aber übernommen, so rückt die Staffel mit ihrem Einsatzfahrzeug aus und verschafft sich vor Ort einen Überblick der Lage. In Rücksprache mit der Polizei und den Einsatzkräften legt dann der Zugführer den gezielten Einsatz des Hundeteams fest. In der Regel wird jedem Rettungshundeteam eine Fläche zugewiesen, die es selbstständig bearbeitet. Ein Suchtrupphelfer begleitet dabei das Team aus Rettungshundeführer und Rettungshund und übernimmt zum Beispiel Aufgaben wie die Orientierung im Gelände oder den Funkkontakt zum Zugführer. Aber auch die Unterstützung bei der Erstversorgung nach einem Personenfund fällt in diesen Aufgabenbereich.

Amrei Groß über Vorteile von Hunden in Rettungseinsätzen.

Alle Sucheinsätze der Rettungshundestaffel werden kostenlos geleistet. Die Finanzierung der Ausbildung und Einsätze erfolgt größtenteils über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Rettungshundeführer arbeiten auf ehrenamtlicher Basis und müssen viel Zeit investieren. „Jeder einzelne unserer Aktivisten ist rund 400 Stunden pro Jahr im regulären Training. Dazu kommen Sondertrainings, Vorführunge und natürlich Einsätze", so Groß. Die Ausbildung an sich ist bis auf einzelne, externe Seminare kostenlos.

Wo werden Rettungshunde eingesetzt? |Grafik: Eliane Wikert via Piktochart

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Über den Autor

Eliane Wikert

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016