Technik in der DJ-Szene

Zwischen Rillen und Codes

25.01.2017

Analoge Technik ist im Trend: Teenager fotografieren mit Polaroid-Kameras und die Hipster kaufen wieder Schallplatten. Auf den ersten Blick ist Vinyl unhandlich, schwer und veraltet. Viele DJs spielen ihre Sets trotz neuer Techniken aber immer noch mit analogen Tonträgern – Sumo aus Stuttgart ist einer von ihnen.

Für viele DJs und Clubs spielt das Auflegen mit Vinyl nicht erst seit dessen Comeback eine große Rolle. | Bild: Niko Kappel

Der 24-jährige Musikfanatiker Paul „Sumo" Göritz kam über die Vinyl-Sammlung seines Vaters zur Musik. Mittlerweile legt er seit fast zehn Jahren auf – analog und digital. „Mit 14 hatte ich nach der Konfirmation endlich Geld, um mir das nötige Equipment zu kaufen. Ältere Freunde haben mir dann gezeigt, wie man auflegt." Als DJ greift er nicht nur aus Nostalgie und Tradition immer noch auf die Schallplatte zurück. „Mit Vinyl gehst du ganz anders an dein Set heran. Du bekommst ein richtiges Gefühl für die Platte, die beim Auflegen dein wichtigstes Werkzeug ist."

Für Paul spielt die Platte auch bei digitalen Sets eine große Rolle. Bei einem Gig mit MP3s legt er mit Time-Code Vinyl auf. Bei dieser Technik, die auch „Digital Vinyl System" genannt wird, werden speziell codierte Schallplatten mit einer Software auf dem Laptop verbunden. Die digitalen Tracks sind über die Platten steuerbar, auf denen dann gemixt oder gescratcht werden kann. So verbindet der DJ sein klassisches Handwerk mit seiner digitalen Musik-Library.

Musikalisch bewegt sich Sumo beim Auflegen meistens zwischen Jazz und Hip-Hop. |Bild: Niko Kappel

Aber was eignet sich jetzt besser zum Auflegen: Zwei Plattenspieler mit Vinyl und einem Mixer oder moderne Time-Code-Technik mit Software und digitalen Musik-Dateien? Rein technisch gesehen ist es einfacher, digital aufzulegen. Bei einem analogen Set sind es vor allem die physischen Umstände, die dem DJ Schwierigkeiten bereiten können. „Mit Vinyl gehst du immer auch ein Risiko ein. Wenn zum Beispiel ein Getränk umfällt oder die Platten falsch einsortiert sind, ist dein Set ganz schnell gelaufen." Trotzdem ist Paul der Meinung, dass man das Grundhandwerk als DJ nur mit einer Technik richtig lernen kann:

Der Stuttgarter Paul „Sumo" Göritz aus dem Netzwerk 0711 spricht über digitale und analoge DJ-Sets.

Laut Statistiken ist Vinyl seit Jahren auf dem aufsteigenden Ast. In der letzten Novemberwoche des Jahres 2016 wurde in Großbritannien erstmals mehr Geld für Schallplatten ausgegeben, als für digitale Musikdownloads. Diese Statistik der Entertainment Retailers Association klingt für die Plattenläden erstmal rosiger, als sie tatsächlich ist. Sie zeigt nur die digitalen Einkäufe bei Portalen wie iTunes und vergleicht diese mit den Verkaufszahlen der Schallplatten. „Bei diesen Zahlen tauchen die Streaming-Plattformen nicht auf", sagt Paul. „Viele beziehen ihre Musik von Spotify und ähnlichen Portalen, deshalb geht der Anteil von digitalen Downloads stärker zurück."

Zehn Jahre nach Pauls ersten Plattenspielern steht das Auflegen mit Vinyl, bedingt durch die ansteigenden Verkäufe, wieder mehr im Vordergrund. Trotzdem ist auch ein Vinyl-Head wie Sumo froh über die neuen Techniken, die einem mittlerweile als DJ zur Verfügung stehen: „Früher war die Schallplatte eben das einzige Medium, mit dem du Musik abspielen konntest. Heute hast du so viele Möglichkeiten Tracks aufzulegen, zu kaufen und zu hören. Da ist die Vielfalt auf jeden Fall geiler."

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Über die Autoren

Niko Kappel

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Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016

Stefanie Stoll

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