Artenvielfalt am Rhein

Zwischen Ufer, Schiffen und Flussauen

05.07.2017

Ob Brachvogel, Laubfrosch oder Bergmolch – der Rheinabschnitt zwischen Bingen und Mainz ist ein bedeutender Lebensraum für unzählige Tierarten. Gleichzeitig ist die umgebende Region ein beliebtes Naherholungsgebiet. Konflikte sind somit vorprogrammiert. Um das einzigartige Biotop zu schützen, setzt sich das NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen aktiv ein.

Der Ausblick über den Inselrhein ist einzigartig. Mitten im Idyll gelegen, lockt die Rheingauer Weinstadt Rüdesheim Jahr für Jahr unzählige Touristen an.| Foto: Sarah Kristin


webdesign (c) google

Das Naturschutzgebiet vom NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen erstreckt sich am Rhein entlang von Bingen nach Mainz. | Quelle: Sarah Kristin via Google Maps

Wenn Joachim Krowas vom wunderschönen Klang der Nachtigall erzählt, ist die Begeisterung in seinem Gesicht zu sehen. Der 69-Jährige ist leidenschaftlicher Ornithologe und war von Anfang an beim NABU Naturschutzzentrum-Rheinauen dabei. Seitdem das Zentrum 1983 entstanden ist, hat sich aber einiges verändert. „Viele Vogelarten, die früher eine Allerwelt-Vogelart waren, sieht man mittlerweile gar nicht mehr", bedauert der Pensionär.

Joachim Krowas ist seit über 40 Jahren im Naturschutz aktiv. Sein Fernglas trägt er stets bei sich, um die Vögel beobachten zu können. | Foto: Sarah Kristin

Krowas erzählt, wie er zu seinem ehrenamtlichen Einsatz im Vogelschutz kam.| Quelle: Sarah Kristin

Die Ramsar-Konvention
Die Ramsar-Konvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung. Das Abkommen wurde auf Anstoß der UNESCO ausgearbeitet und trat 1976 in Kraft. Derzeit sind über 2.000 Gebiete weltweit gemäß der Konvention geschützt, davon befinden sich 34 in Deutschland.

Ein Lebensraum der besonderen Art

Mit rund 100 Mitgliedern widmet sich das Naturschutzzentrum dem sogenannten Inselrhein zwischen Bingen und Mainz. Neben den Flussauen an der Rheingrenze zu Hessen, zählen auch die rheinland-pfälzischen Uferflächen zum Naturschutzgebiet. Vor über 40 Jahren wurde dieses durch die Ramsar-Konvention unter internationalen Schutz gestellt.

Besonders für Vögel ist die Auenlandschaft von großer Bedeutung. „Es gibt Arten, die sieht man das ganze Jahr nicht, die kommen nur zum Überwintern oder Brüten", sagt Krowas. Einmal jährlich in den Wintermonaten prüft er innerhalb des ornithologischen Arbeitskreises den aktuellen Bestand. In der Stunde vor Sonnenuntergang werden an sechs verschiedenen Standorten alle sichtbaren Vögel dokumentiert. „Das ist wichtig, um einen Überblick zu gewinnen und Entscheidungen treffen zu können", erklärt er.

Konflikte und Gegenmaßnahmen

Neben den Vögeln setzt sich das Naturschutzzentrum auch für Amphibien, Pflanzen und Pilze ein. Durch das umgebende Naherholungsgebiet ist deren Lebensraum allerdings gefährdet. Seit etwa 20 Jahren sollen Schranken am Rheinufer verhindern, dass Leute mit ihren Autos bis an die Promenade fahren. „Das ist schließlich Naturschutzgebiet", betont Krowas. Der Auenservice, ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung darüber aufzuklären. Zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs, weisen die Ehrenamtlichen auf die schützenswerte Landschaft hin. Laut Krowas sei es wichtig, den Naturschutzgedanken weiterzugeben. „Der Auenservice versucht, positiv auf die Leute einzuwirken und sie zu informieren", erzählt er.

Auch Wassersportler gefährden den Rheinabschnitt. Besonders beliebt ist der Stillwasserbereich zwischen dem Ufer und den Inseln Ilmen Aue und Fulder Aue. Im Sommer halten sich hier unzählige Boote auf. Krowas befürwortet das saisonale Fahrverbot, das für die Bootsfahrer gilt.

Der Stillwasserbereich hinter der Ilmen Aue darf zwischen dem 15. Oktober und dem 31. März nicht befahren werden. | Foto: Sarah Kristin

Besonders kritisch sieht der ehemalige Umweltingenieur den potenziellen Bau einer Rheinbrücke. „Viele Pflanzen und Tiere wären dadurch beeinträchtigt", versichert Krowas. Bisher verbindet eine Fähre die rheinland-pfälzische und die hessische Seite miteinander. Die einmalige Schönheit dieses Rheinabschnittes müsse unbedingt bewahrt werden. „So ein naturbelassenes Gebiet wie hier gibt es nur noch selten", merkt er an.

Die Natur ist nicht der einzige Grund, weshalb Krowas so viel Freude an seinem Ehrenamt hat. | Quelle: Sarah Kristin

Alles entstammt der Natur

Durch seinen aktiven Einsatz hat das NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen schon einiges erreicht. Gebiete wurden unter Schutz gestellt oder selbst aufgekauft und auch die Wasserqualität des Rheines hat sich verbessert. Für die Zukunft wünscht sich Krowas, dass die Vielfalt der Pflanzen und Tiere weiterhin erhalten bleibt. Die Landschaft vor seiner Haustür weiß er ganz besonders zu schätzen. Diese Einsicht wünscht er sich auch von seinen Mitmenschen. „Ich hoffe, dass die Menschheit mehr daran denkt, was uns ausmacht", sagt er. „Denn alles, was uns ausmacht, wovon wir profitieren, entstammt letztlich der Natur."

Das Naturschutzgebiet am Rhein

Eindrücke des Naturschutzzentrums und des Inselrheins. | Fotos: Sarah Kristin

Total votes: 36
 

Über den Autor

Sarah Kristin

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017